Ab ins kalte Wasser

Warum der Einstieg in den ersten Job ganz schön herausfordernd sein kann

Es fühlt sich an wie auf dem Boden der Tatsachen angekommen: Da ist es also das tolle Arbeitsleben, von dem alle geredet haben. Nach jahrelangem Studium endlich das eigene Geld verdienen, endlich den Job antreten, von dem man vielleicht jahrelang geträumt hat. Man könnte sich vermutlich nicht vorbereiteter und unvorbereiteter zugleich fühlen als vor dem Einstieg in den ersten richtigen Job!

Natürlich hat man durch verschiedene Praktika und Nebentätigkeiten schon erste Einblicke in die Arbeitswelt schnuppern können, aber so richtig ernst wird es erst jetzt. Was, wenn mir die Aufgaben gar nicht zusagen? Wenn ich den Erwartungen nicht gerecht werden kann? Wie werden die neuen Kollegen sein? Wie gehe ich mit der Verantwortung um? Tausend Fragen, Vorfreude, Selbstzweifel aber auch Ängste tun sich auf. Die Gefühlswelt war noch nie so verrückt. Dabei glaubt man, dass man am Ende von einem der härtesten Studiengänge doch für alles gewappnet ist, was kommen mag – nicht unbedingt.

Die Uni bereitet auf alles vor – Fehlanzeige?

Wer glaubt nach dem zweiten Examen in der Tasche für alles vorbereitet zu sein, irrt sich, denn die Praxis ist oftmals eine ganz Andere. Es ist ähnlich wie nach dem Abi: Man denkt, man hat alles erreicht, die Welt liegt einem zu Füßen (tut sie in gewisser Hinsicht auch), bis dann das Studium beginnt und man ungefähr für eine Klausur so viel Stoff wie für das ganze Abi zu lernen hat. Denn in Punkto Selbstdisziplin und Organisation lehrt einem das Studium so Einiges, die Praxis aber konfrontiert einen mit ganz anderen Anforderungen. Soft Skills wie Kommunikationsgeschick, Eigeninitiative und Teamfähigkeit sind nur wenige Beispiele.

Obwohl die universitäre Lehre in Deutschland sehr gut ist und einen starken Praxisbezug hat, haben es Berufseinsteiger heute in vielen Dingen schwerer als zuvor. Die Ansprüche und der Konkurrenzkampf sind enorm gewachsen – umso schwerer ist es sich als Einzelner aus der Masse abzuheben. Es gilt sich als Einsteiger in der betrieblichen Praxis und im Branchenumfeld erst einmal zu orientieren. Dies scheint für viele zunächst schwierig, ist aber durchaus zu meistern.

Die erste Frage: Was will ich?

Bevor man sich in den ganzen Bewerbungsprozess stützt, gilt es zuerst für sich selbst zu klären: Was will ich? Wo möchte ich arbeiten? Vielleicht konnte man im Referendariat oder im Praktikum schon ein Gespür dafür entwickeln, was einem im Berufsalltag wichtig ist, wo die eigenen Stärken aber auch Schwächen liegen. Und nicht nur das – vielleicht weiß man auch schon welche Opfer man bereit ist zu erbringen und was man auf gar keinen Fall machen würde. Bin ich bereit für eine 60 Stunden Woche? Ellenbogen auf der Karriereleiter? Will ich mit einem namhaften Konzern ins Berufsleben starten oder lieber bei einer weniger bekannten Firma von nebenan?  Möchte ich meine Zeit ausschließlich für den Job hergeben, dafür aber viel Gehalt mit nach Hause nehmen?

Das Bauchgefühl entscheidet mit

Für welchen Arbeitgeber man sich am Ende entscheidet, das Bauchgefühl sollte dabei nie außer Acht gelassen werden. Kanzleien locken oftmals mit hohen Gehältern und ihren guten Namen, allerdings bröckelt die Fassade dahinter oftmals, wenn es wirklich darum geht, ein guter Arbeitgeber zu sein. Die eigene Intuition sagt einem meist schon beim ersten Kennenlernen ob man sich gut oder schlecht mit einem Job fühlt und hilft damit oftmals die richtige Entscheidung zu treffen. Kann ich mit dem vermeintlich neuen Vorgesetzten zusammen arbeiten? Wie wirkt das Team? Welches Gefühl vermittelt die Unternehmenskultur? Was sind die äußerlichen Rahmenbedingungen wie Arbeitszeiten und Sozialleistungen? Und vor allem: Kann ich mich mit dem Unternehmen identifizieren? Stehe ich hinter dem was das Unternehmen leistet, wie es sein Geld verdient-  denn nur das macht langfristig leistungsfähig und zufrieden.

Die ersten 90 Tage

Ist man dann erst angekommen, gilt es sich mit seiner neuen Aufgabe und Umgebung vertraut zu machen. Jeder Neuanfang ist ungewohnt: Es gibt tausend Dinge, die man nicht versteht, Menschen und Abläufe, die man nicht kennt. Jeder war mal in dieser Situation und wird auch Verständnis zeigen. Hier gilt es vor allem Souveränität zu zeigen und auch mal zuzugeben, dass man Sachen noch nicht weiß anstelle mit falscher Selbstdarstellung zu prahlen. Fragen zu stellen, ist dabei von großer Bedeutung, denn nicht zuletzt gilt: „Wer fragt gewinnt“. Es zeugt keineswegs von Unwissenheit, sondern zeigt Interesse und ein hohes Maß an Eigeninitiative.

Falsche Entscheidungen sind keine Niederlage

Sollte man merken, dass der ausgewählte Job doch nicht das Richtige für einen ist, gilt es den Mut aufzubringen, was dagegen zu unternehmen. Denn nichts macht unglücklicher als an etwas festzuhalten, nur weil man damit angefangen hat. Es gilt inne zu halten und zu analysieren, warum die Stelle oder die Aufgabe nicht zu einem gepasst hat und etwas zu verändern.

Oftmals findet man vielleicht nicht mit dem ersten Job aber im Laufe der Jahre heraus, was einen wirklich interessiert und von was man sich eher distanzieren möchte. Grundsätzlich gilt, die Augen offen zu halten, neugierig und ehrgeizig zu bleiben und nie die Angst zu verlieren, etwas Neues auszuprobieren.

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