Hoch hinaus – Das Praktikum in der Großkanzlei

Nicht nur ranken sich um Großkanzleien generell schon genug Gerüchte, besonders Studenten werden vor ihrem ersten Praktikum in einem großen Anwaltsbüro vor einige Fragen gestellt. Passe ich dort überhaupt rein? Was ziehe ich an? Muss ich wirklich bis spät abends bleiben und arbeiten? Wie wird es mit den Kollegen sein? Kann ich die Erwartungen erfüllen? Natürlich wird in jeder Kanzlei ein wenig ein anderer Wind wehen, dennoch gibt es ein paar Dinge, die es für jedes Praktikum zu berücksichtigen gilt. Um dir den Start in dein Praktikum etwas zu erleichtern, findest du nachstehend ein paar Tipps, die nach meiner Erfahrung besonders hilfreich sind:

Vorbereitung

Eigentlich fast selbstverständlich, aber trotzdem super wichtig! Oft hast du dich auf einen bestimmten Bereich der Kanzlei beworben oder bekommst vorher Bescheid, welcher Abteilung du zugeteilt wirst. Setze dich ein paar Wochen bevor dein Praktikum beginnt an den Schreibtisch und wiederhole z.B. die Grundlagen des Gesellschafts- oder Prozessrechts (variiert je nach Rechtsgebiet). Keiner erwartet von dir umfassendes Wissen oder will dich gar abfragen. Immerhin bist du ja zum Lernen dort! Dies gilt erst recht, wenn du in einem dir noch unbekannten Rechtsgebiet landest. Dennoch sind die Basics super wichtig und es wird gerne gesehen, wenn du dich zumindest in den Grundlagen auskennst! Wenn also Fragen aufkommen, und du zumindest ein paar Antworten bereits parat hast, macht das gleich einen guten Eindruck. Auch hilfreich ist es, sein Juristenenglisch ein wenig aufzubessern. Der Alltag in der Großkanzlei läuft, teilweise auch wieder abhängig vom Rechtsgebiet, weitestgehend auf Englisch ab. Da schaden ein paar Grundbegriffe definitiv nicht!

Interesse zeigen

Vor allem bei einem Praktikum in den Sommermonaten kann es aufgrund der Ferienzeit zu Leerläufen kommen. Wenn mal nicht so viel ansteht, dann bloß nicht desinteressiert am Schreibtisch sitzen und im Internet surfen! Das fällt mehr als negativ auf und macht in der Regel keinen sehr guten Eindruck. Wenn es dir wirklich langweilig werden sollte und du nicht tatenlos rumsitzen möchtest, dann frag nach Webinaren oder anderen Online-Kursen (die gibt es oft intern für die Mitarbeiter der Kanzleien) und klicke dich ein wenig durch. Das zeigt, dass du dich wirklich bemühst und etwas dazu lernen willst. Eine andere Option wäre, bei anderen Anwälten aus anderen Rechtsbereichen nach Aufgaben zu fragen (v.a. kleinere Aufgaben, die du innerhalb eines Tages erledigen kannst, etwa Recherchetätigkeiten). Das zeigt nicht nur Engagement, sondern gibt dir unter Umständen sogar die Möglichkeit, noch in ein zusätzliches Rechtsgebiet reinzuschnuppern. Das sollte vorher aber immer mit dem für dich verantwortlichen Partner abgeklärt sein, damit es nicht zu Unstimmigkeiten kommt. Gleiches gilt für’s Lernen: nicht überall wird es gerne gesehen, wenn du die Zeit mit deinen Unimaterialien verbringst. Auch hier gilt es also, das vorher abzuklären!

Lunch Break

Die Verabredung zur Mittagspause ist oft ein nicht unbedeutender Teil des Büroalltags. Doch von dem ohnehin nicht immer sehr üppigen Gehalt der Großkanzlei bleibt nicht wirklich etwas übrig, wenn du jeden Tag mit den Kollegen zum Mittagessen losziehst. Eine eigene Mensa gibt es nur selten und der Partner oder die Anwälte sind nicht immer so großzügig, dass du ständig eingeladen wirst. Dennoch ist das gemeinsame „Lunchen“ eine super Möglichkeiten, mit anderen Anwälten aus anderen Bereichen in Kontakt zu kommen und deine Bekanntschaften ein wenig auszuweiten. Die willst du nicht verpassen! Ein guter Kompromiss ist es, sich zwei oder drei Mal die Woche etwas eigenes zu Essen mitzubringen und vielleicht mit anderen Praktikanten zusammen zu sitzen. Manche Einladungen zum Mittagessen sollten aber definitiv nicht ausgeschlagen werden, bei manch hohem Tier in der Kanzlei ist es manchmal eben ein once in a lifetime, da darf man dann nicht zögern 😉

Vor allem wenn du längere Zeit in einer Kanzlei verbringst oder dir das Büro mit einem wissenschaftlichen Mitarbeiter, Referendar o.Ä. teilst, bekommt man doch einiges aus dem Büroalltag mit. Unter Umständen auch den Klatsch und Tratsch der Kollegen. Mein Tipp: Raushalten! Auf keinen Fall solltest du als „Außenstehender“ deine Meinung äußern oder dich anderweitig einmischen. Das kommt gar nicht gut! Sollten Kollegen sich dir gegenüber über andere oder ihren eigenen Unmut äußern, dann lasse dich nicht darauf ein, bleibe neutral und versuche am besten, das Thema zu wechseln.

Die Klamotten-Frage

Zu guter Letzt eine der wohl meist gestellten Fragen: Was ziehe ich bloß an? Damit sieht sich wohl jeder angehende Praktikant konfrontiert. Mittlerweile finden sich im Internet zahlreiche Anleitungen, Do’s und Don’ts und andere Tipps. Aus meiner Erfahrung kann ich sagen: lieber overdressed als underdressed! Unter den Kollegen fällt es eher auf, wenn jemand zu lässig oder sportlich unterwegs ist. Da bleibt es nicht unbemerkt, wenn man (selbst am casual Friday!) mit Sneakern ins Büro kommt. Es wird dich hingegen aber keiner schief angucken, wenn du gutsitzende und aufeinander abgestimmte Kleidung trägst. Im Gegenteil: einer meiner damaligen Mitpraktikanten sah immer aus wie aus dem Ei gepellt, mit perfekt sitzender Krawatte und schicken Schuhen – und hat dafür auch von den Anwälten Bewunderungen bekommen. Ein bisschen overdressed zeigt wiederum nur, dass du dein Praktikum und deine Aufgaben ernst nimmst.

Das Praktikum in der Großkanzlei ist eine super Gelegenheit, spannende Erfahrungen im täglichen Juristenalltag zu machen. In erster Linie sollst du interessante Einblicke gewinnen. Vieles pendelt sich schneller ein, als du denkst, und man bekommt ein Gefühl für die Abläufe und Gepflogenheiten der Kanzlei. Also kein Grund, sich Sorgen zu machen! Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sowohl die Anwälte, als auch Personaler stets sehr freundlich sind und versuchen, dir bei allen Unklarheiten weiterzuhelfen. Die allermeisten haben ja genauso angefangen wie du selbst. Und Fragen kostet bekanntlich nichts!

Mein allerletzter Tipp aber, den du während deiner Praktikumszeit immer im Kopf behalten solltest: Hab vor allem Spaß! Schnuppere die Großstadtluft und freue dich auf die schicken Büros und neuen Kontaktmöglichkeiten – denn der Unialltag kommt schneller zurück, als man denkt.

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