Und täglich grüßt das Murmeltier

Das Leben während der Examensvorbereitung ist schon etwas ganz Besonderes – besonders geprägt davon, weder Freizeit, noch Zeit für sich selbst zu haben.  Man sieht die Gesetzestexte plötzlich öfter als seinen Partner und Gespräche mit dem Karteikartenkasten werden zur Selbstverständlichkeit.

Wir haben 7.58 Uhr am Morgen. Man sieht bereits die ersten Personen mit ihrem Frühstück vor der Bibliothek sitzen, während sie ihre Karteikarten wiederholen. Andere sind entspannter, holen sich erst einmal einen Kaffee, bevor sie sich gähnend in die Bibliothek setzen. Ihnen steht die Müdigkeit noch ins Gesicht geschrieben. Meistens sind es auch angehende Juristen, die sich gerade auf das Examen vorbereiten. Die anderen – wahrscheinlich glückliche Menschen – machen sich nicht die Mühe, so früh aufzustehen. Ein langer Tag liegt vor einem. Der Plan dem einen vorherige Studenten und auch die Repetitorien vorgelegt haben, sieht vor, dass man 8 Stunden an wenigstens 6 Tagen die Woche lernt – netto versteht sich. Das heißt, ohne die Zeit die beim Kaffee trinken, dem Mittagessen oder mit sonstiger Ablenkung verbracht wird.

Ein solcher Lernplan ist streng, wer sich selbst noch nicht auf das Examen vorbereitet hat, kann sich aus dem eben Beschriebenen bereits denken, dass man mit solchen einem Lernplan auch 12 Stunden am Tag in der Bibliothek verbringen kann.

Personen, die kein Repetitorium besuchen und sich als Einzelkämpfer ohne Lerngruppe versuchen, haben es besonders schwer. Lernen ist eine Beschäftigung, bei der man hauptsächlich alleine ist. Man steht morgens auf und lernt den ganzen Tag nur für sich. Soziale Kontakte sieht ein solcher Tagesplan nicht vor, genauso wenig einfach mal den Fernseher an- und selbst abzuschalten. Ein wenig Abwechslung ergibt sich höchstens, wenn man sich auf den Weg zur Bibliothek macht, um dort zu lernen.

Doch auch wer ein Repetitorium besucht, hat mit sich zu kämpfen. Abwechslung ist zwar insofern gegeben, als dass die Frontalunterricht leitenden Lehrkräfte den Stoff, den Umständen entsprechend, unterhaltsam vermitteln. Der Druck unter den Juristen ist jedoch auch in diesen Arbeitsgruppen enorm groß und das Gefühl im Stoff hinterherzuhinken wird zum Begleiter. Ein permanent schlechtes Gewissen, bei jeder Art von anderer Betätigung, schlich sich so schnell ein.

Eine weitere Methode sich auf das Examen vorzubereiten ist das Lernen mit einer Lerngruppe. Man trifft sich mit Freunden oder Fremden und bespricht hierbei Examensfälle oder stellt neue Rechtsprechung vor. Auch so kommt man aus dem Trott heraus, ständig nur Zeit mit dem Lernstoff an sich zu verbringen, und kann neue Kontakte knüpfen. Jedoch besteht hier schnell die Gefahr, sich gut zu verstehen und so zu viel Zeit mit dem Austausch von Privatem zu verbringen.

Alle drei Arten, sich auf das Examen vorzubereiten, haben eines gemeinsam, man verbringt eine beträchtliche Zeit mit dem juristischen Lernstoff in der Bibliothek. Über die Jahre hat sich am Campus ein gewisser Freundes- und Bekanntenkreis angesiedelt, der gerne mal vorbei kommt um zu fragen, wie es denn so läuft. Die gefährlichste aller Ablenkungen.

Da sitzt man, ist dabei den Haftungsverband der Hypotheken zu verstehen und plötzlich läuft eine dir bekannte Person vorbei. Kleiner Scherz, niemand versteht den Haftungsverband der Hypotheken und wenn doch, hat dieses Wissen eine Halbwertszeit von ungefähr 3 Zigarettenpausen. Man grüßt sich, kommt kurz ins Gespräch und entschiedet sich dann dafür, die Anderen nicht stören zu wollen und daher mal kurz einen Kaffee trinken zu gehen. Man denkt sich „na gut, nach dem Dritten Kaffee klappt das Lernen mit Sicherheit besser“ und macht sich auf den Weg.

Leider beachtet man bei den ganzen kleinen Pausen nicht, wie viel Zeit man verliert. Das Gespräch ist interessant und so gehen schnell, bei einem Kaffee zwischendurch, bis zu 45 Minuten drauf. Wenn man sich dann nur zwei Kaffee am Tag gönnt, kann so schnell mal eine beträchtliche Zeit zusammenkommen. Meistens ist an ein entspanntes Trinken nicht zu denken, da im Hinterkopf immer noch steckt, dass man heute noch eine ganze Menge lernen muss. Hätte man den ersten Kaffee bereits richtig genossen, wäre vielleicht auch kein zweiter Nötig gewesen. So schleicht sich dauerhaft das Gefühl mit ein, nicht genug getan zu haben. Gemeinsam mit dem Zwiespalt, keine wirkliche Zeit für sich selbst gehabt zu haben.

Diejenigen die sich dann letztendlich doch wieder hinter die Bücher gesetzt haben, erwartet dann die nächste Gefahr: die Langeweile. Es passiert schnell, dass man den einen oder anderen Satz anfängt zu überlesen, mit dem Kopf kurz abschweift und sich von den kleinsten Dingen ablenken lässt. Der Sitznachbar von Gegenüber, der mit viel zu weit geöffneten Mund Kaugummi kaut oder das Mädel neben dir das im Hochsommer meint, ihre schlecht riechenden Füße aus den Schuhen holen zu müssen. Alles stört und nervt plötzlich –  dabei ist es das Einzige das einen davon abhält die ganze Zeit dieselben Erlebnisse zu haben. Bei dieser negativen Art der Ablenkung, kommt es vor allem darauf an, wie man selbst damit umgeht. Manchmal reicht es eben schon, sich mit seinem Kopf wieder dem Lernstoff zuzuwenden.

Um den Alltagstrott in der Examensvorbereitung zu entkommen, sollte man versuchen, sich von dem schlechten Gewissen zu befreien, das entsteht, wenn man einer solchen Ablenkung nachgeht. Natürlich nicht die ganze Zeit, es hat schließlich auch einen guten Grund warum man von einem schlechten Gewissen begleitet wird. Dennoch darf man nicht immer der verlorenen Zeit nachtrauern. Jeder sollte hierbei für sich selbst entscheiden, wie oft er den Versuchungen nachgeht. Das Leben während der Examensvorbereitung sollte eben weitergehen und keine Auszeit für Sozialleben und Hobbys bedeuten.

Egal, wie viel Zeit man nun durch Ablenkungen verloren hat und auch, wenn man hierdurch noch längere Zeit mit der Examensvorbereitung verbringen muss, man braucht diese Ablenkungen. Das Gehirn kann täglich nur eine gewisse Menge an Lernstoff aufnehmen und braucht auch Pausen um weiterhin richtig zu funktionieren. Wenn man den ganzen Tag seine Zeit nur mit juristischem Lernstoff verbringt, kann es schnell passieren, dass man sich darin verliert und keine Auszeiten mehr für sich selbst einplant. Gerade die Angst vor dem Examen lässt dazu verleiten, zu viel Zeit vor den Büchern zu verbringen. Es ist sinnvoll sich bewusst für gewisse Ablenkungen zu entscheiden und diese auch zu genießen, statt jeder mit schlechten Gewissen nachzurennen oder sich vollkommen dagegen zu entscheiden. So kann man sich während seiner Lernzeit besser auf die wichtigen Dinge fokussieren.

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