Legal Tech

Ein Einblick in die Entwicklung von automatisierten Arbeitsprozessen und ein Ausblick auf die Zukunft der juristischen Arbeit

Ein kurzes Statement zur Digitalisierung der juristischen Arbeit und ein Ausblick auf Entwicklungs- und Veränderungsprozesse durch Software und Online-Dienste im Bereich des Rechts.

Immer wieder wird in jüngster Zeit von der Automatisierung menschlicher Arbeitsprozesse gesprochen, von der Übernahme alltäglicher, von Menschen ausgeführter Arbeiten durch Maschinen und digitale Technik.

Supermarktkassen werden schon jetzt nicht mehr von Menschen bedient – sondern sie kassieren die Ware selbstständig und automatisch. Aufwendige Rechenprogramme bestimmen anstelle eines Beraters, wo und wann investiert werden sollte. Geistige Arbeit, die bis jetzt dem Menschen selbst vorbehalten war, wird dabei nach und nach durch digitale Technik ersetzt und verwaltet.

Natürlich gerät vor diesem Hintergrund auch die Arbeit von JuristInnen verstärkt in das Blickfeld der Digitalisierung. Wie wird sich das juristische Arbeiten durch neue Technologien, insbesondere das sogenannte Legal Tech, verändern? Und was bedeutet das für all jene, die in den nächsten 5, 10 oder 15 Jahren in den Beruf einsteigen? Wird ihre Arbeit gar überflüssig?

Zur Beantwortung dieser Fragen sollte zunächst einmal geklärt werden, was hinter dem sogenannten Legal Tech steckt.

Legal Tech ist eine Abkürzung und steht einerseits für den Begriff der Legal Services, sowie andererseits für Technology.

Zusammengesetzt stehen diese Begriffe für die Digitalisierung der juristischen Arbeit, also für die Automatisierung und damit Effizienz- Steigerung der Tätigkeit. Der Begriff wird dabei vom Laien oft größer gemacht, als er selbst ist. Die Vorstellungen von Computern, die an Stelle des Anwalts beraten, halten sich dabei hartnäckig in den Köpfen vieler.

Tatsächlich hat Legal Tech schon seit längerer Zeit einen bewussten und wenig angsteinflößenden Einzug in die juristische Arbeit gehalten. Jeder Student lernt bereits zu Beginn seines Studiums ein klassisches, juristisches Instrument kennen, welches dem Legal Tech entspringt:

Die juristischen Online-Datenbanken. Beck, Juris und andere fachspezifische Programme bieten dabei eine Unterstützung bei der Erstellung und Recherche von wissenschaftlichen Arbeiten und sind heute kaum noch wegzudenken. Neben Techniken, die StudentInnen und (angehende) Anwälte direkt bei ihrer Arbeit unterstützen, lässt sich in den letzten Jahren jedoch auch eine zunehmende Entwicklung im Bereich von Plattformen und Technologien, die die juristische Arbeit automatisieren, erkennen.

Bekannt geworden sind in diesem Rahmen insbesondere Startups wie „Wirkaufendeinenflug.de“. Dabei handelt es sich um eine Onlineplattform, bei der Kunden ihre erlittene Flugverspätung oder Annullierung angeben können und diese dann mithilfe eines Algorithmus auf mögliche Entschädigungsansprüche geprüft werden. Bei positivem Ergebnis bietet die Website eine Auszahlung von Ansprüchen über mehrere hundert Euro an. Das System funktioniert dabei vollständig online und in wenigen Minuten. Der Gang oder bloß Anruf beim Anwalt kann dabei schnell und kosteneffizient ausgelassen werden.

Inspiriert von diesen Ideen schossen in den letzten Jahren weitere Startups zu spezifischen juristischen Problematiken aus dem Boden; Bahn-Buddy funktioniert dabei nach dem gleichen Prinzip wie wirkaufendeinenflug.de und prüft Ansprüche gegenüber der Bahn bei Verspätungen und Ausfällen.

Aber auch andere, breitere Themengebiete werden seit einiger Zeit durch Online-Dienste und ihre entwickelten Algorithmen abgedeckt. Jurato, ein 2013 gegründetes Legal-Startup vernetzt Privatleute mithilfe einer kurzen Beschreibung ihres Problems mit den dazu passenden Anwälten und bietet so zu einem kalkulierbaren Festpreis Beratung per Video-Chat.

Dabei wird für den Kunden die Suche nach einem passenden Anbieter leichter, für den potentiellen Anwalt eröffnet sich ein größerer Markt, der mehr Klienten, aber auch eine Verdichtung der Konkurrenz bringt.

Ein Einblick in die Arbeit und Entwicklung von solchen Legal Tech Start-Ups lässt dabei erkennen, dass sich vornehmlich ein Wandel in den klassischen, alltäglichen und stets ähnlich ablaufenden Rechtsfragen vollzieht. Aufgaben, wie die Prüfung eines Schadensersatzanspruches nach einem verspäteten Flug, laufen stets nach einem ähnlichen Muster ab, das vom eingeübten Juristen meist bloß noch „abgeklopft“ werden muss.

Diese, nach einem klaren Schema ablaufenden Aufgaben werden bereits jetzt durch Algorithmen ersetzt, und lassen erkennen, dass nicht nur Schadensersatzfragen sondern auch die Prüfung von grundlegenden Verträgen und rechtlichen Fragen nach und nach digitalisiert und automatisch beantwortet werden können.

Im Hinblick auf Online-Dienste und Startups ist jedoch auch zu beobachten, dass diese zwar für den Verbraucher einen leichteren Zugang zum Rechtssystem und somit Effizienzfortschritt ermöglichen, damit jedoch auch eine Privatisierung des Rechts bewirken. Wichtige Daten, die zur Herbeiführung einer Streitbeilegung von Nöten sind, werden zukünftig in private Hände gelangen und die Frage des Datenschutzes auch im Rechtsbereich in den Mittelpunkt rücken.

Diese neu entstehenden Problematiken, besonders im Hinblick auf den Datenschutz und die zunehmende private Rechtsdurchsetzung, müssen daher auch zukünftig eingehend beobachtet und mit dem verstärkten Wachstum von Legal Tech debattiert werden.

Fortschritt durch Digitalisierung im Bereich des Rechts sollte jedoch deswegen nicht als zukünftige Jobabnahme und Gefahr verteufelt, sondern bewusst auch als Hilfe und Effizienzfortschritt betrachtet werden. Datenbanken und Vernetzungen ersetzen noch lange nicht die abwechslungsreiche Arbeit mit Mandanten, die je nach persönlichem Fall individueller Lösungen bedarf, und nicht durch die simple Prüfung einer Maschine ersetzt werden kann.

Zu viele Variablen und Aspekte müssen beachtet werden, zu viele Fälle sind einmalig und verlaufen eben nicht klassisch nach einem Schema. Zu oft werden verschiedene Rechtssysteme berührt, und zu oft werden in jüngster Zeit (Investitionsschutz) -Abkommen mit einem gänzlich eigenem Rechtssystem herangezogen.

Sorgen machen muss sich der der Jurist von morgen also noch nicht bei der Wahl seines Studienfaches und zukünftigem Broterwerbs, offen für Veränderungen sollte er jedoch allemal sein.

Routineaufgaben werden zukünftig nicht mehr vom Menschen erledigt, geben dem Juristen aber auch die Chance, sich tiefer mit den interessanten und „kniffligen“ Aspekten eines Falls auseinanderzusetzen.

Dass Jura zu trocken sei, kann dann keiner mehr behaupten.

 

 

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