Uniwechsel während des Jurastudiums – Ersti 2.0

Neue Stadt, neues Glück – oder auch aus vielen anderen Gründen wechseln zahlreiche Studenten im Laufe ihres Studiums ihre Universität und werden somit quasi erneut zum Ersti.

Nach einiger Zeit an der ersten Universität haben sich die ersten Freundschaften gebildet, man findet jeden Hörsaal mittlerweile mühelos, hat schon die ein oder andere Bar für sich entdeckt und blickt langsam im System der Uni durch.

Wieso also sollte man all das aufgeben?

Für viele ist ein Grund für einen Uniwechsel die Nähe bzw. Ferne zur Heimat. Sei es, dass sie sich am Anfang des Studiums doch noch nicht so weit weg von zu Hause trauten oder ihnen die Distanz Heimweh bereitet. Oder auch der Wechsel von Kleinstadt zu Großstadt bietet seinen Reiz. Natürlich birgt ein Uniwechsel aber auch zahlreiche neue Chancen: Man kann noch einmal von vorne anfangen (ohne, dass jemand von den früheren Ersti-Eskapaden weiß), neue Freunde kennen lernen, eine neue Stadt erkunden und auch andere Angebote der neuen Uni ausprobieren. Kurzum, es ist ein ganz neues Abenteuer, das im Jurastudium zu neuer Motivation führen kann.

Doch wann lohnt sich ein solches Vorhaben?

Nach dem ersten Semester

Die Ersti-Woche ist überstanden, noch ist man brav zu jeder Vorlesung gegangen, hat die allerersten Klausuren im Studium überlebt und schon wird man wieder zum Ersti. Der Zeitpunkt nach dem ersten Semester wird oft gewählt, wenn man anfangs nicht an der Traumuniversität angenommen wurde und erneut dort sein Glück versuchen möchte. Vorteil davon: Es stehen noch nicht viele Klausuren bei der Anrechnung zur Debatte. Das kann aber ebenso zum Nachteil werden, wenn man komplett von null beginnen muss, wenn also gar nichts angerechnet werden kann. Allerdings ist der Zeitverlust durch diesen frühen Zeitpunkt sehr gering. Ein Semester ist quasi nichts bei Jura.

Nach der Zwischenprüfung

Die meisten Jurastudenten entscheiden sich für den Zeitpunkt nach der Zwischenprüfung. Bis dahin wurden schon zahlreiche Tage und Nächte am Schreibtisch oder in der Bib verbracht, eventuell die ersten Klausuren nicht bestanden und Panik geschoben. Nun aber ist die erste große Hürde vor dem Examen bestanden. Zu diesem Zeitpunkt ist einem Jurastudenten schon viel mehr bewusst, was einen später im Studium erwartet und ob man sich das auch noch „antun“ will. Außerdem hat man in den drei bis vier Semestern bis zur bestandenen Zwischenprüfung schon einen umfangreichen Einblick in die Universität gewonnen und deren Vorzüge und Nachteile herausgefunden. Der Hauptgrund für diesen Zeitpunkt ist aber vor allem, dass eine bestandene Zwischenprüfung deutschlandweit zum Hauptstudium befähigt und voll anrechenbar ist. So wurden tendenziell die wenigsten Klausuren „unnötigerweise“ geschrieben. Zu diesem Zeitpunkt haben die begehrtesten Universitäten auch die meisten Kapazitäten, da durch die Zwischenprüfung viele gar nicht mehr dort weiter studieren dürfen oder einfach so aufhören.

Während des Hauptstudiums

Während des Hauptstudiums könnte man sagen, ist der Zug für einen Universitätswechsel abgefahren. Hat man mit mehreren Fortgeschrittenenübungen oder sogar mit dem Schwerpunkt schon angefangen, gestaltet sich ein Hochschulwechsel besonders schwierig was die Anrechnung von Leistungen angeht. Das Examen ist auch nicht mehr weit und davor haben die wenigsten Lust, sich noch mehr Stress anzumuten als sie ohnehin schon haben. Es kann dabei passieren, dass man zu viele Klausuren oder gar Hausarbeiten nachholen bzw. erneut schreiben muss, als dass sich der Uniwechsel vor dem Examen noch lohnen würde.

Was sollte man bei der Planung eines Universitätswechsels beachten?

Natürlich läuft ein Uniwechsel nicht reibungslos ab. So kann zum Beispiel nicht jede abgelegte Klausur an der neuen Universität angerechnet werden und muss eventuell auch nachgeholt werden. Die Prüfungsordnungen unterscheiden sich dabei von Uni zu Uni. Wer auch noch in ein anderes Bundesland wechselt, kann – wenn er das bereits getan hat – Verwaltungsrecht BT erneut lernen. Auch bereits begonnene oder absolvierte Nebenfächer oder Zusatzqualifikationen können bei der Anrechnung problematisch werden. Deshalb sollte man sich im Vorfeld gut informieren, was einem grob anerkannt wird. Dazu lohnt sich auch ein Blick in die Studien- und Prüfungsordnung der einzelnen Universitäten. Was schließlich konkret angerechnet wird, wird meistens jedoch erst nach der Immatrikulation an der neuen Uni mit der Fachstudienberatung oder ähnlichen Abteilungen persönlich besprochen.

Ebenfalls zu beachten ist, wie man einen Studienplatz an der neuen Universität erhält. Muss es ein Studienplatztausch sein (so z.B. in Münster) bzw. gibt es auf die Bewerbung in ein höheres Semester eine Zulassungsbeschränkung oder nicht. Letzteres gestaltet sich natürlich am unkompliziertesten, ist aber ebenso bürokratisch aufwendig wie die beiden anderen Varianten.

Nicht zu vergessen ist natürlich Kommunikation mit dem BAföG-Amt. Man sollte ebenfalls im Vorfeld dort nachfragen, wie ein Uniwechsel gehandhabt wird z.B. wegen Folgeanträgen. Außerdem wird für den Zeitpunkt nach der Zwischenprüfung evtl. der BAföG-Leistungsnachweis für das 5. Semester relevant – soll man diesen noch an der alten oder schon an der neuen Uni beantragen?

Was man auf jeden Fall einplanen sollte, ist viel Zeit und Geduld. Für einen Uniwechsel muss man viel Papierkram erledigen, Deadlines einhalten und die Ausstellung von Bescheinigungen oder Klausurergebnisse abwarten. Um im Chaos des Uniwechsels dann noch einen guten Überblick behalten zu können, sind organisatorische Fertigkeiten natürlich von Vorteil. Dabei hilft aber auch eventuell schon eine gut strukturierte To-Do-Liste. Wer von Natur aus nicht viel Geduld hat, sollte einen Uniwechsel am besten nicht in der Sommerferienzeit planen, wenn die meisten Abteilungen Urlaub haben, sondern lieber nach dem Wintersemester. Wartezeiten kann man gut mit der Wohnungssuche oder eventuell auch Hausarbeiten für die neue Uni sinnvoll überstehen.

Checkliste für den Uniwechsel

  • Wichtige Informationen über den Uniwechsel sammeln, in Kontakt mit der neuen Universität treten (v.a. wegen Chancen auf einen Studienplatz und Anrechnung von Prüfungsleistungen), neue Universität auf jeden Fall einmal anschauen
  • Einschreibe- bzw. Bewerbungsfristen und sonstige wichtige Termine von der neuen Universität im Kalender markieren
  • Eilkorrekturanträge für die noch ausstehenden Klausuren an der alten Universität stellen
  • Bei der neuen Universität nachfragen, welche Dokumente von der alten Universität für die Immatrikulation als Hochschulwechsler benötigt werden (meist wird zusätzlich eine sog. Unbedenklichkeitsbescheinigung benötigt)
  • Beim BAföG-Amt nachfragen, wie der Uniwechsel mit ihnen abläuft
  • Wohnungssuche im Blick halten
  • Exmatrikulation und Immatrikulation erledigen
  • Bestandene Prüfungsleistungen beim Prüfungsamt anerkennen lassen

Ist die ganze Organisation erst einmal erledigt, steht eurem Leben als Ersti 2.0 nichts mehr im Wege. Dann heißt es erst einmal: Neue Freunde kennen lernen, die Stadt erkunden, sich an der Uni verlaufen und was einen Ersti sonst typischerweise erwartet.

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