„Mit Jura kann man alles machen“

Viele beginnen das Jurastudium mit unklaren Zielvorstellungen. Klar gibt es da die klassischen juristischen Berufe, wie Notar, Rechtsanwalt oder Richter. Das Studium der Rechtswissenschaften gilt schließlich schon immer als eine vernünftige Entscheidung.

Studiert man Soziologie oder Kunstgeschichte muss man sich ja oft anhören „Was willst du damit denn mal werden?“, so ergeht es angehenden Juristen nicht. Wenn mal Zweifel am Studium bestehen, bekommt man oftmals zu hören, mit so einem grundsoliden Studium wie Jura würden einem alle Türen offen stehen. Doch welche branchenübergreifenden Möglichkeiten gibt es tatsächlich?

Ein kleiner Einblick in die vielen Berufsfelder in denen Volljuristen arbeiten können, soll helfen, einen Überblick zu bekommen.

 Unternehmensberatung

In vielen Unternehmen gibt es Rechtsabteilungen, in denen Syndikusrechtsanwälte tätig sind. Außerhalb hiervon ist es jedoch auch möglich, in nicht juristischen Unternehmen als Berater tätig zu werden. Hier steht im Gegensatz zur klassischen Anwaltstätigkeit nicht das Gutachten im Fokus, sondern man muss sein Wissen aus dem Studium auf unkonventionelle Weise einbringen.

Gemeinsam mit dem Kunden kann man in rechtlich unklaren Situationen Lösungen für Probleme erarbeiten. Das strukturierte und methodische Denken, welches in der juristischen Schule gelehrt wird, ist hier gesucht.

Auch Personen mit nur einem Staatsexamen steht der Weg offen. Es kommt dann auf zusätzlich erlangte Qualifikationen an.

Justiziar bei einem Sportverein

Träumst du vielleicht schon immer davon dein Büro im Stadion zu haben? Wie wär es dann, als Justiziar bei einem Sportverein.

Da auch Spieler eines Sportvereins letztendlich nur Arbeitnehmer sind, gehört zu den Aufgaben des Justiziars, das Erstellen von Spielerverträgen. Beim Transfer aus einem anderen Verein, muss ebenfalls ein Transfervertrag vorliegen. Weitere Aufgaben bestehen im Erstellen von Mietverträgen für die Fanshops oder auch dem Abschließen von Sponsoringverträgen für die Werbung in Stadien.

Nach den eigentlichen Spielen ist die Arbeit des Justiziars nicht vorbei. Bekommt ein Spieler zum Beispiel während eines Spiels eine rote Karte, muss hierzu eine Stellungnahme abgegeben werden. Auch hierfür ist der Justiziar des Vereins zuständig und muss diese aus Sicht des Spielers verfassen.

Die Lizenzen für die Logos des Vereins müssen ebenfalls vertraglich geregelt werden. Schließlich darf nicht jeder mit den Logos eines bestimmten Sportvereins werben.

Die Aufgaben die einem als Justiziar in einem Sportverein zuteilwerden, sind also vielfältig. Man muss dem Verein auf allen Ebenen mit Rat zur Seite stehen. Anders als in einer Kanzlei, hat man hier jedoch kein juristisches Team. Man kann also keine Kollegen um Rat fragen und darf daher keine Scheu davor haben, alleine Lösungen finden.

Dennoch arbeitet man nicht alleine, sondern kann interdisziplinär, gemeinsam mit anderen Abteilungen zusammenarbeiten. Während der langen juristischen Ausbildung, hat man ja schon genug Zeit mit anderen Juristen verbracht. Schön kann es nun sein, mal wieder mit Personen anderer Branchen zusammenzuarbeiten.

Politiker

Du hast keine Lust mehr Gesetze auszulegen und anzuwenden? Viel lieber wärst du Teil der Gesetzgebung? Dann geht es dir so, wie vielen anderen Juristen auch. Endlich kannst du direkt mitbestimmen, was so in die Gesetzesbücher kommt. Daher ist auch nicht verwunderlich, dass sich viele Volljuristen in der Politik wiederfinden.

Fast jeder sechste Abgeordnete ist juristisch vorgebildet. Außenminister Frank-Walter Steinmeier, Justizministerin Brigitte Zypries und Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble sind nur drei, von vielen Volljuristen, die im Deutschen Bundestag tätig sind.

Nicht zu übersehen ist hierbei die Tatsache, dass man massiv im Fokus der Öffentlichkeit steht. Manchmal, wie bei Karl Theodor zu Guttenberg, kann der Sprung in die Politik auch schiefgehen. Doch solange man seine Dissertation mit besten Gewissen verfasst hat, muss man sich nicht vor den Medien fürchten.

Ab zum Bundeskriminalamt

Willst du vielleicht, wie beim Tatort, spannende Kriminalfälle lösen? Ganz so läuft die Arbeit beim BKA zwar nicht ab, aber man kommt zumindest mit interessanten Aufgaben in Berührung.

Denn auch in polizeilichen Behörden wird nach Juristen gesucht. Schon während des Referendariats steht einem die Möglichkeit offen, die Wahlstation beim BKA zu machen. Man kann hierbei Einblicke in das Justiziariat, der Arbeit des Datenschutzbeauftragten oder der Beratungsstelle für polizeipraktische Rechtsfragen und Rechtspolitik gewinnen. Das erworbene Fachwissen aus dem Studium hilft hierbei, straf- und strafprozessuale Sachverhalte einzuschätzen.

Als Volljurist beim BKA kann man in verschiedenen Abteilungen eingesetzt werden. Zum Beispiel in der Abteilung für Schwere und Kriminalität. Hier werden unter anderem Aufgaben der Waffenbehörde wahrgenommen. Wird in Deutschland eine Waffe sichergestellt, muss herausgefunden werden woher diese stammt, da besonders Waffen aus dem Ausland hier zum Verkauf angeboten werden.

Die Aufgaben beim BKA sind also vielfältig und die interdisziplinäre Arbeit zwischen den verschiedenen Behörden vorrangig.

Lektor bei einem Verlag – der Autorenflüsterer oder gleich selbst schreiben

Für den Einstieg in den Journalismus gibt es keine Pflichtvoraussetzungen. Jeder der gerne schreibt, kann hier tätig sein. Eine Möglichkeit besteht darin, nach dem Studium noch eine Zusatzqualifikation in Form eines Volontariats zu machen. Dies kann man mit einer journalistischen Ausbildung vergleichen. Wer bereits während seines Studiums viel geschrieben hat, kann es auch durch Vitamin B zum Journalisten schaffen. Auch ZDF heute Journal Moderator Claus Kleber konnte während des Studiums als freier Mitarbeiter des Südwestfunks tätig sein und so erste Erfahrungen sammeln.

Juristischer Sachverstand wird in der Redaktionspraxis geschätzt, zumal juristische Aspekte heute in sehr viele Themen hineinwirken. Das strukturierte abarbeiten von Themen, wie man es bei juristischen Sachverhalten gelernt hat, hilft beim Aufbau eines späteren Zeitungsartikels.

Ebenfalls ist es möglich, in Fachverlagen wie z.B. C.H.Beck, als Lektor tätig zu sein. Hierbei begleitet man Manuskripte, von ihrer ersten Korrektur über das Marketing bis hin zur Veröffentlichung. Weiter ist man für die Akquise und Betreuung neuer Autoren zuständig.

Als Volljurist stehen einem viele Berufsfelder offen, in denen man tätig werden kann. Personen mit juristischen Fachwissen sind überall sehr gefragt. Wer keine Lust darauf hat, sein späteres Berufsleben in einem der klassischen Berufe zu verbringen, der findet Außerhalb der klassischen Berufe genügend Möglichkeiten sich auszuleben. Im Endeffekt liegt es an einem selbst, sein erlerntes Wissen vielfältig anzuwenden.

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.