Berufseinstieg in der Praxisgruppe „Digital Business“ bei Noerr LLP

Ein Erfahrungsbericht von Julian Monschke – Rechtsanwalt bei Noerr LLP:

Während des Studiums und auch über große Teile des Referendariats hinweg hatte ich nur wenige Berührungspunkte zum IT-Recht. Eigentlich komisch, da mich Technik schon immer fasziniert hat. Aus diesem Grund habe ich mich für eine Wahlstation bei Noerr in dem Bereich entschieden. Während dieser Zeit wurde mir klar, dass ich gerne mit diesem Rechtsgebiet in das Berufsleben starten möchte. Heute bin ich seit März 2018 Rechtsanwalt bei Noerr in Frankfurt in der Praxisgruppe Digital Business.

Während meiner Anwaltsstation noch bei einer anderen Kanzlei bat mich einer der dortigen Partner herauszuarbeiten, welche Veränderungen die Datenschutz-Grundverordnung für das Arbeitsrecht mit sich bringen würde. Anfangs war ich mäßig begeistert darüber, mich in ein völlig fremdes Rechtsgebiet einarbeiten zu müssen. Als ich mehr Einblicke in den „Umkreis“ des Datenschutzrechts gewonnen habe, merkte ich, wie vielfach technische Aspekte die Beratung bestimmen und in eine juristische Form gebracht werden müssen. Ich beschloss, dass ich meine Wahlstation im Bereich IT-Recht absolvieren möchte.

In meinem Bewerbungsgespräch für die Wahlstation bei Noerr wurde ich gefragt, woher meine Faszination für Technik käme. Während ich darüber redete, wie ich meine ersten Computer auseinander und wieder zusammen geschraubt habe, merkte ich selbst, wie viel Spaß mir das Thema macht und wie viel Lust ich darauf habe, meine technische Faszination mit der rechtlichen Seite zusammenzubringen.

Verstehen Sie mich nicht falsch: Sie müssen kein Computer-Nerd sein, um im IT-Recht tätig zu sein. Ein gewisses Verständnis für Technik hilft natürlich gleichwohl. Die Herausforderung in der Station war dann für mich, in einem Rechtsgebiet tätig zu werden, mit dem ich mich bislang so gut wie gar nicht beschäftigt habe. Natürlich hat das bedeutet, die Komfortzone des Bekannten zu verlassen. Aber genau das macht Spaß! Nach und nach wurden mir die Strukturen sowie die Beteiligten und deren jeweiligen Interessen klarer. Letztlich lernen wir ja alle im Studium den Umgang mit dem Unbekannten. Mit anderen Worten: Den Handwerkskoffer haben wir alle gepackt, um damit an verschiedensten Baustellen zu arbeiten – so unbekannt sie auch wirken mögen.

Im Laufe der Wahlstation wurde mir dann klar, dass ich gerne meine Berufslaufbahn im IT-Recht starten möchte. Nach Abschluss des zweiten Examens begann ich also zu überlegen, in welcher Kanzlei ich starten möchte. Dabei waren vor allem vier Faktoren für mich wichtig. Es sollte ein etabliertes und erfahrenes IT-Rechts-Team sein. Ich wollte nicht im Hinterzimmer verschwinden und Mandanten nur von E-Mails kennen, in denen ich „in cc“ bin. Die Arbeitszeiten sollten sich in einem angemessenen Rahmen bewegen. Schließlich waren vor allem die Menschen im Team selbst und die Zusammenarbeit mit diesen ganz entscheidend. All das fühlte sich für mich bei Noerr richtig und gut an und deswegen habe ich mich schließlich für diese Kanzlei entschieden. Natürlich spielten noch einigen Faktoren mehr eine Rolle und diese Abwägungen habe ich auch nicht an einem Tag getroffen. Hier halfen mir vor allem viele Gespräche mit verschiedensten Leuten, um mir darüber klar zu werden, was für mich wichtig ist.

Gerade Eindrücke, die ich in den Stationen während des Referendariats und durch meine Nebentätigkeiten sammeln konnte, spielten für mich bei meiner Entscheidungsfindung eine überaus wichtige Rolle. Hierbei kann man nämlich einen realistischen Einblick gewinnen und die Kanzlei, das Team und das Rechtsgebiet gerade nicht in „Hochglanzprospekt“-Situationen von Recruiting-Events, sondern im Alltag auf Herz und Nieren testen.

Vor meinem Berufseinstieg habe ich meine Erfahrungen in Stationen und Nebentätigkeiten im Bereich Compliance und Gesellschaftsrecht gesammelt. Diese Erfahrungen waren für mich sehr wichtig und ich empfinde sie für mich als enorme Bereicherung für meine jetzige Arbeit. Dies beginnt bei vermeintlich banalen Dingen wie dem Verständnis über den Aufbau eines Konzerns und geht bis hin zu der Frage, wie man Gespräche mit Mandanten strukturiert und führt, um die entscheidenden Informationen zu bekommen.

Mein Einstieg fiel in die Zeit kurz vor dem Zeitpunkt, ab dem die Datenschutz-Grundverordnung anwendbar sein sollte. Entsprechend war diese Zeit geprägt von Umsetzungsmandaten. Diese reichten von Unternehmen, bei denen die Datenschutz-Organisation auf der grünen Wiese neu aufgebaut werden musste, bis hin zu Unternehmen, wo (nur) noch das Fine-Tuning vorzunehmen war. Die Herausforderung für die Beratung war dabei vor allem der vielfach unklare Wortlaut der Datenschutz-Grundverordnung und die damit verbundene Unsicherheit, wohin sich die Auffassung der Aufsichtsbehörden und letztlich der Gerichte entwickeln wird.

Besonders interessant finde ich auch die Beratung der internationalen Mandanten, insbesondere wegen des weiten Anwendungsbereichs der Datenschutz-Grundverordnung. Wo sich die bisherige Kommentarliteratur in Deutschland darauf beschränkte, die Erwägungsgründe wiederzugeben und keine Stellungnahmen der Aufsichtsbehörden vorlagen, begann echt Pionierarbeit. Auch hier half wiederum das oben genannte Handwerkszeug.

Häufig haben mich meine Partner schon während der Station in die Unterschriftenzeile einer E-Mail oder in die Verfasserzeile eines Memos aufgenommen. Nunmehr ist es so, dass Mandanten teilweise auch bereits direkt bei mir anrufen. Gleichzeitig kann ich aber jederzeit Rücksprache mit meinen Partnern halten und natürlich werden Arbeitsergebnisse vorher besprochen. Gleichzeitig bleibt genügend Raum, einen großen Teil der Arbeit selbstständig zu organisieren.

Daneben sind die Aufgaben, die bei mir auf dem Tisch landen, so vielfältig, wie das IT-Recht eben ist. So bearbeite ich Fragestellungen des Vertragsrechts, Fragen rund um den Einsatz von Webseiten und arbeite auch an Unternehmenstransaktionen mit. Die Beratung setzt ein tiefes Verständnis der Geschäftsprozesse des Mandanten voraus. Nur so können alle Vorgänge richtig erfasst und die richtigen Schlüsse daraus gezogen werden.

Noerr beschäftigt sich intensiv mit Chancen des Einsatzes von Legal Tech und setzt auch bereits einige Produkte ein. Auch ich habe die Möglichkeit bekommen, mich in eine Gruppe einzubringen, die sich mit diesen Entwicklungen beschäftigt.

Schließlich fühle ich mich auch in dem gesamten Kanzlei-Umfeld sehr wohl. In kurzer Zeit habe ich in allen Teams des Standorts viele nette Kolleginnen und Kollegen kennengelernt. Dafür gibt es auch einige Möglichkeiten: So treffen sich einmal pro Monat Associates und Wissenschaftliche Mitarbeiter/Referendare abends zum Stammtisch. Daneben gibt es einen Associate-Lunch, eine Fußballgruppe oder auch den gemeinsamen Englisch-Unterricht einmal pro Woche. In meinem Fall gab es sogar kurz nach dem Start ein Treffen aller Noerr-Standorte weltweit in Berlin. Dabei habe ich meine Kolleginnen und Kollegen vom Standort sehr viel besser kennenlernen können und ebenso die von anderen Standorten. Schließlich gibt es für Berufseinsteiger ein Mentoren-Programm. In einem vertraulichen Umfeld können dabei die Fragen des Alltags besprochen werden.

Bisher bin ich jeden Tag morgens gerne in die Kanzlei gegangen. Ich freue mich, in einer Praxisgruppe tätig zu sein, die sich mit den zukunftsweisenden Fragen unserer Zeit befasst und diese so mit prägen zu können: digitale Geschäftsmodelle.

Meine Empfehlungen an junge Juristen und Berufseinsteiger:

  1. Nutzen Sie Nebenjobs und Stationen, um Erfahrungen zu sammeln und um herauszufinden, woran Sie Spaß haben.
  2. Haben Sie keine Angst davor, etwas ganz anderes zu probieren – etwa in ein anderes Rechtsgebiet zu wechseln.
  3. Entscheiden sie sich für Rechtsgebiete und ein Team, die und das sich für Sie „richtig“ anfühlen. Das werden sie schnell merken. Sprechen Sie dazu auch ältere Bekannte und Freunde an und stellen Sie dabei Ihre Ansicht auf die Probe.

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