Selbstsicherer Auftritt – wie wirke ich auf andere?

„Der erste Eindruck zählt“. Was einem von Beginn an eingetrichtert wird – sei es anlässlich eines Bewerbungsgesprächs, eines Vortrags oder sogar eines Dates – ist viel mehr als nur eine reine Floskel. Denn in bereits 100 Millisekunden kann das Gegenüber eine Einschätzung über Sympathie, Charakterzüge und Attraktivität gewinnen, die nur schwer zu revidieren ist. Wer andere von sich überzeugen möchte, muss also mehr als gutes Aussehen bieten. Oder…? Welche Faktoren begünstigen einen guten ersten Eindruck und was sollte man lieber bleibenlassen? Der folgende Beitrag soll die Basics der Do‘s und Dont’s unter Berücksichtigung psychologischer Aspekte darstellen und eine Hilfe zur Selbsteinschätzung bieten.

1. Gestik, Mimik und Sprache

Der Händedruck, die Haltung, der Gesichtsausdruck, die Betonung und die Wortwahl nehmen entscheidenden Einfluss auf die Wahrnehmung des Anderen bei der ersten Begegnung. Körpersprache vermittelt nicht nur Selbstsicherheit, sondern auch Stärke und Dominanz, was gerade bei Bewerbungsgesprächen von Bedeutung ist. Eine aufrechte Haltung, unterstützt von einer klaren Aussprache und Blickkontakt wirken sich positiv auf das „Gesamtpaket“ aus – nicht dagegen ein „Pokerface“, denn das Gesicht wird als Maßstab zur Beurteilung des Charakters herangezogen und dient als Indikator für ein aufgeschlossenes, vertrauenswürdiges Verhalten. Lächeln erzeugt einen Eindruck von Offenheit und Verbundenheit und spricht für Sympathie. Übertrieben enthusiastische Reaktionen wirken dagegen abschreckend und können einen negativen Eindruck hinterlassen. Insofern ist ein Mittelmaß zwischen einer angemessenen Zurückhaltung und hinreichender Herzlichkeit zu finden. Ein freundliches Lächeln ist dabei sicherlich ein guter Start.

2. Der Primacy-Effekt

Dass der erste Eindruck einen so hohen Stellenwert einnimmt, liegt an dem sogenannten Primacy-Effekt. Dieser bildet einen Überbegriff für die Wahrnehmung des Gegenübers durch das Kurzzeitgedächtnis. Eigenschaften, die nach dieser Phase erfasst werden, werden zwar weiterhin wahrgenommen, unterliegen aber dem bereits im Hinterkopf gebildeten Urteil über eine Person und können daher nur noch wenig Einfluss ausüben. Aus der Theorie lässt sich schlussfolgern, dass die Aufmerksamkeit des Anderen über die ersten Sekunden hinaus aufrecht gehalten werden muss. Wer in der ersten Minute schon uninteressant wirkt, wird auch in der zweiten nicht an Interesse gewinnen und hat praktisch keine Chance mehr, Sympathiepunkte zu gewinnen. Wichtig ist es deshalb, von Anfang an „klare Fronten zu schaffen“ und seine Absichten darzustellen. Kernaussagen oder -inhalte sollten aus diesem Grund zu Beginn vorgetragen werden – handele es sich um einen Vortrag oder ein Bewerbungsgespräch.

3. Das Aussehen

Visuelle Reize bestimmen den ersten Eindruck nicht unwesentlich. Gerade weil weitere Beurteilungskriterien bei dem ersten Zusammentreffen mangels Vertrautheit nicht herangezogen werden können, weicht das Gehirn auf leichter zu identifizierende Merkmale einer Person aus. Dabei umfasst Aussehen nicht nur die Haarfarbe und das Gesicht, sondern vielmehr auch den Kleidungsstil. Der Dresscode sollte sich immer nach dem gegeben Anlass richten. Bei einem Bewerbungsgespräch soll neben der Wahl der angemessenen Kleidungsstücke aber auch auf ein ordentliches Erscheinungsbild durch beispielsweise ein faltenfreies Hemd geachtet werden. Dass besonders attraktive oder subjektiven Schönheitsidealen entsprechende Menschen vorteilig behandelt werden, wurde bereits in einigen Studien bestätigt. Das Beurteilungsvermögen hängt im Wesentlichen also doch ein Stück weit vom Aussehen ab. Gerade bei Bewerbungsgesprächen sollte dies jedoch nicht als Hindernis gesehen werden, denn ohne die notwendigen und vorausgesetzten Qualifikationen, wäre es wohl überhaupt nicht zu einer Einladung gekommen. Außerdem zählt auch hier: Wer sich wohl fühlt, wirkt selbstbewusst. Weshalb Aussehen aber gerade in Bezug auf den ersten Eindruck eine nicht unbeachtliche Rolle spielt, lässt sich am folgenden Effekt veranschaulichen.

4. Der Halo-Effekt

Der Halo-Effekt wird vom englischen Begriff „halo“ – deutsch: Heiligenschein – abgeleitet und beschreibt das Phänomen eines „strahlenden“ Gesamteindrucks, der das Gesamtbild einer Person durch Überbewertung einzelner Eigenschaften positiv oder negativ beeinflusst. Attraktivität wird oftmals mit positiven persönlichen Eigenschaften in Verbindung gebracht und kann dadurch zu einer verzerrten (und zu optimistischen) Wahrnehmung führen. Dagegen werden einem „weniger hübschen“ Menschen häufig kaum positive Attribute zugeschrieben. Wer weniger anziehend wirkt, dem wird auch weniger Aufmerksamkeit geschenkt. Zu veranschaulichen ist dies am Beispiel eines Krankenhauses: ist bereits der Eingangsbereich zugemüllt, die Flure staubig und der Empfang mit unfreundlichem Personal besetzt, wird die Qualität der Ärzte kaum noch überzeugen können. Einzelne Eigenschaften können demnach durchaus bei der Gesamtbewertung dominieren und diese auch manifestieren. Neben dem Aussehen können auch Statussymbole, wie beispielsweise ein teures Auto oder Doktortitel den Halo-Effekt erzeugen.

5. Der Recency-Effekt

Der erste Eindruck zählt, der letzte bleibt. Trotzdem ist der letzte Eindruck nicht im Entferntesten von so hoher Bedeutung wie der erste. Verpatzt jemand, der zuvor bereits umfassend von sich überzeugen konnte, die Verabschiedung, sei ihm dies leichter zu verzeihen, als dem, der zu spät kam und einen Kaffeefleck auf dem Hemd hatte. Im übertragenen Sinne bedeutet dies, dass der letzte Eindruck nicht wieder „alles wiedergutmachen“ kann. Man sollte sich also besser bereits vorab über seinen Auftritt Gedanken machen und sich unter Umständen Gesprächsbausteine zurechtlegen, um keinen unbeholfenen, sondern einen überzeugenden Eindruck zu erzielen. Ein fester Händedruck, ein aufgeweckter Blick und ein modisches Outfit können dabei durchaus behilflich sein. Denn Außenwirkung ist nicht alles – aber ohne Außenwirkung ist nichts.

Quellen:

Das automatische Gehirn (2013) – die Magie des Unbewussten/Die Macht des Unbewussten, Regie: Francesca D’Amicis, Freddie Röckenhaus, Petra Höfer, Studio Hamburg Enterprises, Juli 2013

Erfolgsfaktor Image (2017)- Punkten in 100 Millisekunden, Ihr Wegweiser für einen starken Auftritt, Autoren Vogelsang, Imme.
 

 

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