Jura an der Universität Mannheim

Nicht selten kommt es vor, dass man über sein Studium erzählt – sei es bei einem
Bewerbungsgespräch, im Praktikum oder beim Zusammentreffen mehrerer Studenten verschiedener Universitäten. Dass die Uni Mannheim ihren Schwerpunkt vor allem im Bereich Wirtschaft setzt, ist den meisten bekannt. Erfahrungswerte zeigen aber, dass gerade im Hinblick auf das Jurastudium Fragen offen bleiben.

Gibt es überhaupt das „klassische“ Jurastudium in Mannheim? Was sind die Besonderheiten? Und schließlich: wird man als Mannheimer Jurastudent ebenso anerkannt wie Studenten anderer Universitäten? All dies soll im Folgenden kurz und stichhaltig von mir als (mittlerweile) ziemlich erfahrene Mannheimer Studentin dargestellt werden.

Vorab: der Abschluss

An der Universität Mannheim erwirbt man im Rahmen des Studiengangs „Unternehmensjurist/in LL.B.“ einen weiteren Abschluss auf dem Weg zum Staatsexamen – den Bachelor of Laws (LL.B.). Um den Bachelorgrad zu erwerben, muss man keine gesonderte Prüfung ablegen. Mit dem Bestehen der vorgesehenen Module – das Anfertigen Bachelorarbeit inbegriffen – und dem ersten zivilrechtlichen Staatsexamen erfolgt die Anerkennung zum Bachelor. Dies geschieht innerhalb
von sechs Hochschulsemestern. Im Anschluss daran wird in vier weiteren Semestern zusätzliches Wissen erworben, das für das Absolvieren der gesamten ersten Staatsprüfung benötigt wird.

Der Aufbau

Sicherlich weicht der Studienaufbau von dem anderer Universitäten ab. Deshalb sei
zusammenfassend dargestellt, was in Mannheim besonders ist. Beginnend beim ersten Semester und bis zum Abschluss des fünften Semesters erlernt der Unternehmensjurist neben juristischen, auch umfassende wirtschaftliche Kenntnisse, die sich im Bereich der Betriebs- und Volkswirtschaftslehre bewegen. Als Beispiel können die Fächer
Marketing oder Rechnungswesen angeführt werden.

Bis zum Abschluss des sechsten Semesters wird der Student im Hinblick auf die anstehenden Examensklausuren intensiv im Zivilrecht ausgebildet. Strafrecht wird erst nach dem sechsten Semester gelehrt und auch öffentliches Recht wird im Bachelor zwar im Rahmen einer Klausur abgeprüft, jedoch nur oberflächlich behandelt.

Im Umkehrschluss dazu bedeutet das jedoch, dass ab dem siebten Semester vorrangig Straf- und öffentliches Recht unterrichtet werden. Dies erfolgt in weiteren vier Semestern, die an der Universität Mannheim als „Aufbaustudiengang“ bezeichnet werden, weil sie eben auf dem bereits erworbenen Bachelor aufbauen.

Möglichkeiten als Student

Selbstverständlich ist es kein Muss, den „Aufbaustudiengang“ wahrzunehmen. Insofern steht es den Absolventen des LL.B. frei, ob sie die Universität verlassen, ein Master-Programm anschließen (mit Erwerb weiterer ECTS-Punkte ist auch ein betriebswirtschaftliches Masterprogramm denkbar) oder den Aufbaustudiengang als Chance nutzen, einen Abschluss als Volljurist zu erlangen, der dann wie der Abschluss an jeder anderen Universität in das Referendariat überleitet.

Als Mannheimer Unternehmensjurist besteht außerdem die Möglichkeit einer Abschichtung der Examensklausuren. Wird nach dem sechsten Semester erfolgreich das zivilrechtliche Examen bestanden, kann der Student auf einen weiteren Versuch nach dem Aufbaustudiengang verzichten und lediglich die Klausuren im öffentlichen Recht und im Strafrecht wahrnehmen. Trotzdem bleibt es ihm aber auch möglich, erneut die zivilrechtlichen Klausuren zu schreiben und damit einen Verbesserungsversuch vorzunehmen.

Hinsichtlich eines Auslandsaufenthalt bietet die Universität Mannheim einige Optionen, die gerne und häufig wahrgenommen werden. Im Bachelor ist ein einjähriger Aufenthalt an einer der zahlreichen Partneruniversitäten möglich – im Aufbaustudiengang wahlweise ein halb- oder einjähriger Aufenthalt.

Resümee
Für viele Studenten gilt das LL.B.-Modell daher als besonders sicher und vorteilhaft. Im Falle einer gesteigerten Vorliebe für die Betriebswirtschaftslehre oder mangelndem Interesse an juristischem Studieninhalt, besteht in Mannheim eben die Möglichkeit nach den sechs Semestern und dem LL.B. aufzuhören oder die Studienrichtung zu ändern, ohne, dass das Risiko besteht, vor Erwerb eines Abschlusses aufhören zu müssen. Gerade, wenn man sich im Unklaren darüber ist, ob man lieber die betriebswirtschaftliche oder juristische Richtung einschlagen möchte, bietet der Kombinationsstudiengang der Universität Mannheim die Option, einen Einblick in beide Materien zu erlangen.

Nicht zu vernachlässigen ist jedoch die Intensität des Studiums und der Lernumfang. Gerade weil in den ersten sechs Semestern die Fähigkeiten erworben werden müssen, eine Examensklausur (gut) zu bestehen, daneben bereits die Scheine im Zivilrecht sowie eine Bachelorarbeit absolviert werden und auch einige betriebswirtschaftliche Klausuren bestanden werden müssen, sollte man sich nicht mit der Intention bewerben, „irgendeinen“ Bachelorabschluss zu erwerben und im Klaren darüber sein, dass die Kombination aus zwei Materien nicht unbedingt das Studium vereinfachen wird.

Außerdem ist die beliebte Abschichtung an mehrere Voraussetzungen gebunden und kann außerdem abhanden kommen, wenn länger studiert wird, als es vorgesehen ist. Infolgedessen ist eine Verlängerung der Regelstudienzeit durch Urlaubssemester oder ähnliches schwer realisierbar. Durch einen Aufenthalt im Ausland allerdings wird die Möglichkeit der Abschichtung nicht beseitigt.

Im Ergebnis empfehle ich den Kombinationsstudiengang für alle, die neben einer juristischen Ausbildung auch betriebswirtschaftliche Kenntnisse erwerben wollen und sich die Möglichkeiten ihres Abschlusses zunächst offenhalten möchten, zugleich aber weiterhin die Chance haben möchten, ihr Studium mit Erwerb einer Ausbildung zum Volljuristen zu beenden.

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.