#lifestylelawyer – wie viele Juristinnen tragen tatsächlich Perlenohrringe?

Sag mir was du trägst, ich sag dir was du studierst. So oder so ähnlich, hält sich ein weit verbreitetes Phänomen. Den Pädagogen zum Beispiel, wird eher ein legerer Kleidungsstil nachgetragen. Doch kaum ein Studium hat mit so vielen Vorurteilen zu kämpfen, wie das Jurastudium.

Für einen Außenstehenden ist der typische Jurist vermeintlich leicht zu identifizieren. Die Mädels tragen Perlenohrstecker und Burberry Taschen, die Jungs alle Hornbrille und Poloshirts mit hochgestellten Hemdkragen. Fraglich ist, ob der angehende Jurist die Hornbrille tatsächlich zum Lesen braucht oder nur ein stylisches Accessoire ist.

Vor der Vorlesung geht der angehende Jurist natürlich noch ein paar Golfbälle schlagen oder das eigene Pferd einreiten. Die wichtigen Kontakte lernt man sowieso auf dem Golfplatz kennen und nicht an der Uni. Wenn Mami und Papi nicht sowieso schon Juristen sind, und dir deine zukünftigen Arbeitgeber schon mit acht Jahren vorgestellt haben. Kein Wunder, füllt und führt der Juristenlifestyle zu Diskussionen im Internet.

Die Anerkennung der anderen im Hinterkopf und eine Vielzahl von Büchern auf dem Rücken. Man sollte meinen, der gemeine Jurist müsse bereits einen Buckel auf den Rücken haben. Selbstverständlich kam dieser erst durch das Studium. So viele schwere Gesetze tragen sich schließlich nicht von alleine durch die Gegend. Aber jetzt mal im Ernst, wie viele von Euch haben schon Kommilitonen mit Buckeln auf dem Rücken gesehen?

Schaut man sich an der juristischen Fakultät um, sieht man nur wenige in Klischee Outfits.

Zugegeben, schaut man in die vorderen Reihen bei Vorlesungen, sitzt da mindestens ein Typ in seinem feingebügelten Anzug. Das Einstecktuch farblich passend zu seinen Socken. Die Aktentasche neben sich auf den Tisch gelegt. Wahrscheinlich ist er bereits zu Schulzeiten mit seinem Aktentäschchen rumgelaufen. Es sind aber halt jene, die einem zuerst ins Auge stechen und daher auch besser im Gedächtnis bleiben. Doch wenn wir einmal ehrlich mit uns sind, wissen wir, dass es daran liegt das sie aus der Norm fallen und daher auffällig für uns sind.

Schauen wir in den restlichen Vorlesungssaal, sieht man weniger Studenten in voller Montur eines typischen Juristen. Wobei Viele wenigstens eine Sache tragen, die spezifisch für Juristen ist. Ob es nun der Tiffany Herzanhänger ist, den sie endlich von ihrem Freund geschenkt bekommen hat oder die neuen Timberland Boots, die sich Johannes schon so lange von seinen Eltern gewünscht hat.

Wer als junge angehende Juristin zu Perlenohrsteckern greift wird schnell in eine Schublade gesteckt. Eine Biologiestudentin hingegen kann sie ohne Vorurteile tragen. Abgesehen davon, dass die Dinger schon immer für Spießigkeit standen.

Viele Gegenstände die Juristen angeblich gerne tragen, sind heute durch Konformität stigmatisiert.  Die heutigen Juristen haben auch nicht vor diese abzulegen. Auch heute soll der Jurist noch im Anzug erscheinen, um die gesellschaftliche Anerkennung für seinen Status nicht zu verlieren. Ebenfalls die schwarzen Roben, sorgen für ein einheitliches Kleidungsbild. Dieses Bild der Juristenmode ist schließlich auch seit dem 18. Jahrhundert in den Köpfen der Deutschen verankert. Ein solches Bild abzulegen, für manch einen wohl ziemlich schwierig.

Doch wer schon mal ein Praktikum in einer 1-Mann Kanzlei gemacht hat, weiß das ein Anwalt auch gerne Mal im Jogginganzug arbeitet, wenn keine Mandanten anstehen.

Schauen wir weiter hinter in die Reihen des Vorlesungsaal, ist die breite Masse wohl gestreut in verschiedene Typen die einem ständig im Alltag begegnen. Von der Tussi mit zu viel Lippenstift drauf, von der man eigentlich meint, sie verbringe mehr Zeit bei der Kosmetikerin als beim Lernen. Bis zum Muskelproll, der sich seine Definitionen beim Training im Fitnessstudio anhört, ist alles dabei. Unter der Vielzahl der Juristen findet sich in der letzten Reihe auch noch der Nerd, der lieber zockt als zuzuhören.

Alleine in Frankfurt am Main beginnen zum Wintersemester ungefähr 600 Personen das Jurastudium. Manch einen treibt sein Gerechtigkeitssinn an, den anderen die Motivation auf den vermeintlichen Lifestyle der Juristen. Mit einem Prädikatsexamen stehen einem schließlich Tür und Tor offen, egal wohin. Statussymbole sind schließlich teuer und müssen erst einmal finanziert werden.

Unter den 600 Studienanfängern, befindet sich eine Vielzahl von verschiedenen Menschen. Jeden treibt ein anderes Ziel an. Auch nicht jeder kann sich mit seinem Studienfach identifizieren. Doch bleibt einem in so einem Massenstudium, immer die Wahrscheinlichkeit, jemanden zu treffen mit dem man viel gemeinsam hat.

Jura zieht schließlich nicht nur einen bestimmten Menschentyp an, sondern bringt die verschiedenen Typen von Menschen durch das Fach zusammen. Sobald es nämlich nur noch um die Diskussion am reinen Thema geht, sind optische Unterschiede eh nur noch zweitrangig und es kommt auf die fachliche Kompetenz des Einzelnen an.

Solltest du jetzt doch wieder Lust bekommen haben zu deinen Perlenohrringen zu greifen, weil du sie einfach schön findest. Lass es. Ja, es ist egal, was andere darüber denken. Aber du leidest einfach nur an Geschmacksverirrung.

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