Zwischen mündlicher Prüfung und Referendariat

Es ist geschafft, nachdem der kleine Brief im Briefkasten war und wir die mündliche Prüfung erfolgreich absolviert haben, ist das Examen bestanden. Doch wie geht es jetzt weiter?

Das erste Examen ist bestanden, all die harte Arbeit hat sich rentiert und der hart erkämpfte Erfolg hat sich eingestellt. Wir haben es uns verdient für eine Weile die Füße hochzulegen und uns zu entspannen. Doch Entspannung ist leichter gesagt als getan.

Denn auf der einen Seite haben wir noch keine hundertprozentige Sicherheit, wie und wo es weitergeht, denn die Platzangebote für den juristischen Vorbereitungsdienst werden erst nach Abschluss der jeweiligen Prüfungskampagne bekanntgegeben. Je nachdem wann die eigene mündliche Prüfung stattfindet, können hier vier bis sechs Wochen vergehen, bevor man weiß, in welchem Bezirk man seinen Vorbereitungsdienst absolviert.

Auf der anderen Seite beginnt schon wieder das Damoklesschwert des zweiten Examens über einem zu schweben, denn bei genauer Betrachtung liegen zwischen der mündlichen Prüfung des ersten Examens und dem Beginn des zweiten Examens nur knappe zwei Jahre, dies verleitet dazu sich bereits auf das zweite Examen vorzubereiten.

Wie soll man sich also entspannt zurücklehnen, wenn man nicht weiß, ob man die nächsten zwei Jahre in Konstanz oder Mannheim verbringen wird und wenn es einem eigentlich in den Fingern juckt direkt weiter zu lernen?

Für den ersten Punkt gilt, zumindest für Baden-Württemberg, dass sich relativ gut abschätzen lässt, ob man ein Platzangebot für die gewünschte Stadt erhält oder nicht. Zum einen gibt es Veranstaltungen vom Landesjustizprüfungsamt, die darüber informieren, nach welchen Kriterien die Platzzuweisung erfolgt. Anhand dieser Kriterien kann man für sich selbst ermitteln, wie sicher es ist, dass man ein Platzangebot für die gewünschte Stadt erhält. Zum anderen kann man selbst ein wenig Einfluss auf die Erfolgschancen nehmen, indem man sich nicht für klassisch überlaufene Städte wie Freiburg, Konstanz und Tübingen bewirbt, sondern kleinere Landgerichtsbezirke wählt. Dies gibt einem ein bisschen Sicherheit und die Möglichkeit, bei Bedarf, bereits auf Wohnungs- oder Zimmersuche zu gehen. Sollte es nicht möglich sein abzuschätzen wie sicher es ist, dass man ein Platzangebot für die gewünschte Stadt erhält, dann bleibt einem nichts anderes übrig, als sich seinem Schicksal zu fügen und zu akzeptieren, dass man bis zum Erhalt eines Platzangebots nichts daran ändern kann. Aber auch wenn man noch nicht ganz sicher weiß wo es hingeht, kann man bereits ein wenig mit der Wohnungssuche beginnen, um sich einen Überblick zu verschaffen und es im Ernstfall leichter zu haben.

Der zweite Punkt, das Lernen für das zweite Examen, gestaltet sich schon etwas schwieriger. Wir wissen, dass wir uns Ruhe und Entspannung verdient haben. Wir wissen auch, dass wir diese Ruhe und Entspannung brauchen, um energiegeladen ins zweite Examen starten zu können. Wir wissen aber auch, dass es nicht viel Zeit braucht, um viel von dem, was wir uns mühevoll eingeprägt haben wieder zu vergessen und dass das zweite Examen schneller vor der Tür steht, als es uns liebt ist. Was macht man also mit all der freien Zeit, die sich so gut dazu eignen würde die Nase wieder tief in die juristische Literatur zu stecken?

Zunächst hilft es ein wenig im Internet oder in Büchern, die Ratschläge zum juristischen Vorbereitungsdienst geben, zu recherchieren. Schnell fällt auf, dass die einhellige Meinung dahingeht, dass das materielle Recht des ersten Examens und das materielle Recht des zweiten Examens sich maßgeblich voneinander unterscheiden. Dies bedeutet nicht, dass alles was wir bisher gelernt haben überflüssig war, aber es bedeutet, dass wir das bisher gelernte unter neuen Gesichtspunkten betrachten und es durch einen großen Anteil Prozessrecht ergänzen werden. Bereits für das zweite Examen zu lernen ist daher wenig sinnvoll und es besteht die Gefahr, dass man sich auf das falsche konzentriert und wenn es eins gibt, was wir alle im Studium gelernt haben, dann dass das Setzen von Schwerpunkten der wichtigste Schritt auf dem Weg zum Erfolg ist. Man sollte dem Drang, bereits vor Beginn des Referendariats, für das zweite Examen zu lernen daher wiederstehen. Was dabei helfen kann ist ein grober Lernplan. Mithilfe der für das zweite Examen relevanten Literatur und der aktuellen Prüfungsordnung lässt sich ein grober Lernplan erstellen. Dies hat viele Vorteile. Zum einen gibt es einem einen Überblick über die Themen die behandelt werden, zum anderen kann man sich so deutlich machen, dass die zwei Jahre bis zum zweiten Examen ausreichen, um sich umfassend darauf vorzubereiten und es daher nicht notwendig ist bereits im Vorfeld das Lernen zu beginnen.

Zwischen der mündlichen Prüfung und dem Beginn des Referendariats gibt es viele Dinge zu erledigen. Eventuell muss eine neue Wohnung gefunden und der Umzug in eine neue Stadt organisiert werden. Die Grundzüge des Referendariats sollten geplant werden, aber das wichtigste in dieser Zeit ist es für sich einen Weg zu finden die Zeit zu genießen, sich vollkommen zu entspannen und die Batterien aufzuladen für die zweite große Hürde auf dem Weg zum Volljuristen.

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