Ausbildung in Mediation als Ergänzung zum Studium?

Ein Studium soll zukünftige Fachkräfte dazu befähigen, die vielfältigen Herausforderungen des beruflichen Alltags zu meistern. Aus Fachkräften werden nicht selten Führungskräfte. Eine Führungskraft beeinflusst die Motivation und Leistungsfähigkeit seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unmittelbar und nachhaltig. Kommt es zu Unstimmigkeiten im Team oder in der Abteilung, sind Kenntnisse in Sachen Konfliktmanagement gefragt. Doch solche elementaren Kenntnisse werden im Laufe eines Studiums eher weniger vermittelt.

Zur Erweiterung der eigenen Soft Skills bietet es sich daher an, während oder nach Abschluss des Studiums eine Mediationsausbildung zu absolvieren.

Aber was ist überhaupt Mediation? Bei welcher Art von Konflikten findet dieses Verfahren Anwendung?

 

Begriff und Herkunft der Mediation

 „Mediation“ wird vom lateinischen Adjektiv „medius“ abgeleitet und bedeutet, zwischen zwei Ansichten oder Parteien die Mitte halten, einen Mittelweg einschlagen, sich neutral verhalten. Wörtlich übersetzt heißt „Mediation“ nichts anderes als „Vermittlung“.

Die Wurzeln der Mediation reichen historisch weit über den Beginn unserer Zeitrechnung zurück. Als alternativer Ansatz zur Konfliktlösung wurde Mediation seit Mitte der 1960er Jahre zunächst in den USA als „Bewegung“ wieder entdeckt. Erst ab dem Jahre 1970 kam das Verfahren aus den USA nach Europa. Es entwickelte sich insbesondere in den Bereichen des Umwelt- und Familienrechts. Mediation bei Trennung und Scheidung ist dabei nach wie vor das größte Einsatzgebiet für Mediation im deutschsprachigen Raum.

 

Definition gemäß § 1 Mediationsgesetz

Der Gesetzgeber hat sich in § 1 Abs. 1 Mediationsgesetz für folgende Begriffsbestimmung entschieden:

„Mediation ist ein vertrauliches und strukturiertes Verfahren, bei dem Parteien mithilfe eines oder mehrerer Mediatoren freiwillig und eigenverantwortlich eine einvernehmliche Beilegung ihres Konflikts anstreben.“

In derselben Vorschrift definiert der Gesetzgeber auch den Begriff des „Mediators“:

„Ein Mediator ist eine unabhängige und neutrale Person ohne Entscheidungsbefugnis, die die Parteien durch die Mediation führt.“

Im Verlauf eines Mediationsverfahrens werden die hinter dem Konflikt liegenden Sichtweisen, Bedürfnisse und Interessen der Beteiligten (die im Rahmen der Mediation als „Medianden“ oder „Medianten“ bezeichnet werden) herausgearbeitet. Es werden Optionen zur Regelung und Beilegung des Streits erörtert und geprüft.

 

Eigenverantwortlichkeit als ein zentrales Prinzip

Ein zentraler Gedanke des Mediationsverfahrens beruht auf der Erkenntnis, dass nur die Medianten selbst die wirklich angemessenen und als fair empfundenen Lösungen entwickeln können. Eigene Lösungen werden eher akzeptiert und verwirklicht als von außen vorgeschlagene oder gar gerichtlich festgelegte. Im Gegensatz zum gerichtlichen Verfahren liegt das Ergebnis eines Mediationsverfahrens allein in den Händen der Konfliktparteien.

Ziel einer Mediation ist es, gemeinsam tragfähige und zukunftsorientierte Lösungen zu finden, bei der sich keine Seite als Verlierer („win-win“-Situation) fühlt und die zu einer langfristigen und nachhaltigen „Befriedung“ des Konflikts führt.

Dieses Ziel wird dadurch erreicht, dass die Medianten im Verlauf des Verfahrens unter Anleitung und Führung des Mediators (wieder) miteinander kommunizieren, gemeinsam nach kreativen Lösungsmöglichkeiten Ausschau halten und diese dann umsetzen. Die eigentliche Rechtslage und etwaige Schuldfragen stehen im Hintergrund.

Mediatoren ermitteln nicht die Wahrheit, sie bewerten und urteilen nicht und schlagen keine Lösungen vor. Mediatoren sind im Rahmen ihrer Aufgabe zur Neutralität, Allparteilichkeit und zur Verschwiegenheit verpflichtet.

 

Mediation in der Wirtschaft

Wirtschaftsmediation ist die kooperative Methode zur außergerichtlichen Konflikt- und Streitbeilegung zwischen verschiedenen Unternehmen oder im Unternehmen. Bei Mediation, die im Unternehmen stattfindet, spricht man auch von innerbetrieblicher Wirtschaftsmediation.

Folgende innerbetriebliche Konflikte treten in der Praxis regelmäßig auf:

  • Konflikte innerhalb von Teams und Arbeitsgruppen
  • Beschwerden eines Mitarbeiters gegenüber seinem Vorgesetzten
  • Streit zwischen mehreren Kollegen untereinander
  • Konflikte zwischen Betriebsrat und Geschäftsführung
  • Streitigkeiten zwischen den Gremien (Betriebsrat, Gesamtbetriebsrat, Konzernbetriebsrat, Jugend- und Auszubildendenvertretung, Ausschüssen)
  • Ungleiche Sichtweisen auf Themen innerhalb des Betriebsrats

 

Führungskraft mit Mediationskompetenz

Aufgrund der zahlreichen Konfliktfelder sollten sich (zukünftige) Führungskräfte intensiv mit Mediation beschäftigen. Hierdurch werden sie in die Lage versetzt, sich abzeichnende Konflikte frühzeitig zu erkennen und Lösungen anzustoßen. Im Team erreichen sie dadurch eine offenere Führungs- und Kommunikationskultur. Denn ein gutes Team erweist sich erst als solches, wenn es in der Lage ist, konstruktiv mit Konflikten umzugehen.

Mittels Mediationskompetenz stärken Führungskräfte ihre eigene Konfliktfähigkeit und die Akzeptanz gegenüber ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Im Hinblick auf innerbetriebliche Konflikte ist jedoch Voraussetzung, dass die jeweilige Führungskraft selbst kein direkter Konfliktbeteiligter ist. Liegt ein solcher Fall aber vor, so ist es sinnvoll, einen externen Experten zu Rate zu ziehen.

 

Fazit

Als Fachanwalt für Arbeitsrecht befasse ich mich seit mehr als 15 Jahren mit innerbetrieblichen Streitthemen. Doch Recht und Gesetz bieten den Konfliktparteien nicht immer die Lösung an, die sich diese erhoffen. Ein Vergleich oder ein Urteil beendet zwar einen gerichtlichen Prozess, nicht unbedingt aber den betreffenden Konfliktfall. Vielmehr ist ein Konsens anzustreben. Deshalb habe ich mich selbst für die Absolvierung einer Mediationsausbildung entschieden. Zukünftige Fach- und Führungskräfte sollten ebenfalls darüber nachdenken, diesen Weg einzuschlagen. Den näheren Ablauf eines Mediationsverfahrens erläutere ich auf meiner Homepage.

 

Thorsten Blaufelder

Wirtschaftsmediator, Fachanwalt für Arbeitsrecht & Business Coach

www.thorsten-blaufelder.de

www.wirtschaftsmediation-rottweil.de

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