Der Start ins Referendariat – Teil 2: Bewerbung und Starttipps

Hat man sich schließlich die Überlegungen aus dem vorherigen Teil abgeschlossen und sich für einen möglichen Zeitpunkt für das Referendariat entschieden, geht es an die Bewerbung. Der folgende Beitrag soll anhand des Beispiels Hessen einige Tipps und Hinweise für die weiteren Stationen geben.

A. Die Bewerbung – Vorbemerkungen

Die Bewerbung für einen Referendariatsplatz läuft z.T. unterschiedlich ab. Man muss sich eines im Klaren sein – das Examen selbst garantiert noch nicht die Aufnahme in den juristischen Vorbereitungsdienst zum gewünschten Zeitpunkt am Wunschort! Berlin gilt beispielsweise seit Jahren als überfüllt und mit erheblichen Wartezeiten verbunden, selbst mit einem zweistelligen Examen. Gleiches gilt in Hessen wohl für Frankfurt. Auch hier sind die Schwierigkeiten für Auswärtige in der Regel größer. In Hessen muss man aber mindestens drei Wunschorte bzw. Gerichtsbezirke angeben. Häufig ist es dann so, dass es zwar nicht Frankfurt, aber beispielsweise Darmstadt oder Hanau wird. Sollte man sich dafür aber nicht erwärmen können, muss man Wartezeit in Kauf nehmen. Eines Vorweg – die Ausbildung in Darmstadt oder Hanau ist nicht schlechter, als in Frankfurt. Es kommt wie immer auch auf die eigene Einstellung und den Ausbilder an, ob einem die Station zusagt oder nicht und ob man etwas mitnehmen kann.

B. Die Bewerbungsunterlagen

Bei den Bewerbungsunterlagen kann auf die Merkblätter der jeweiligen Oberlandesgerichte verwiesen werden. Wichtig und sicher für viele überraschend ist sicherlich, dass man zumindest in Hessen auch zwei beglaubigte Kopien der Geburtsurkunde benötigt, sowie gegebenenfalls beglaubigte Kopien der Ehe-, Scheidungs- und Geburtsurkunden der Kinder (dreifach). Ebenfalls benötigt man ein polizeiliches Führungszeugnis. Man sollte sich daher frühzeitig um diese Unterlagen kümmern, damit man nicht die Fristen versäumt, weil diese Unterlagen noch nicht vorliegen!

C. Ausbildungswünsche in der Zivilstation

Häufig haben Referendare den Wunsch einem bestimmten Gericht oder einem bestimmten Bereich, beispielsweise der Kammer für Handelssachen, zugewiesen zu werden. Dies kann man natürlich äußern und bei der Bewerbung mitschicken, allerdings besteht kein Anspruch, dass man wirklich zugewiesen wird. Wer wegen einem besseren Anfahrtsweg einen Wunsch nennt oder weil die Ausbildung an dem Gericht sehr gut sein soll, kann Glück haben, dass die Stelle frei ist und man am Ende dort startet – regelmäßig wird dies aber aufgrund der Kapazitäten nicht möglich sein.

D. Die Nebentätigkeitserlaubnis

Wie schon im vorherigen Beitrag erwähnt – von der Unterhaltshilfe kann man, vorallem, aber nicht nur, in den Metropolregionen kaum leben. Alleine die Wohnkosten werden regelmäßig einen Großteil der Beihilfe verschlingen. Daher ist häufig eine Nebentätigkeit notwendig. Man sollte diese sich gleich mit der Bewerbung versuchen genehmigen zu lassen. Auch hier gibt es bestimmte Vorgaben, an die sich gehalten werden muss. Z.B. muss im Vertrag stehen, dass man die Tätigkeit nur außerhalb des Referendariats wahrnimmt und Referendariatsaufgaben immer Vorrang haben. Achtung: Es genügt nicht, dass sich dies aus dem Vertrag ergibt. Vertragsauslegung wird nicht betrieben!

E. Der Start

War die Bewerbung schließlich erfolgreich, erhält man die Zusage und im Anschluss die Zuweisung zu einem Gericht und dem jeweiligen Ausbilder/ der Ausbilderin in der Zivilstation. Nach einer kurzen Einführungsveranstaltung lernt man dann seine Referendariatsgruppe kennen sowie den AG-Leiter. Danach folgt ein Einführungslehrgang, je nach Bundesland ein bis zwei Wochen, bevor es zum Ausbilder geht. Der Einführungslehrgang soll dabei die Grundlagen für die Zivilstation bereiten. Auch hier gilt wie immer: Es gibt gute und weniger gute AG-Leiter – beeinflussen kann man dies nicht.

F. Klausurenkurs

Eine Frage, die sich viele stellen, ist, ob man gleich in den Klausurenkurs am Gericht gehen soll. Dass ist aber klar zu verneinen. Erstmal sollte man lernen, wie man ein Urteil schreibt und kann sich nach der Station entscheiden, zu den zivilrechtlichen Klausuren zu gehen. Das Strafrecht empfiehlt sich dann auch nach der Station mit den Klausuren am Gericht.

G. Repetitorium

Gleich gesagt, ich habe zwar für das erste Examen, aber nicht für das zweite Examen ein Repetitotium genutzt. Hier muss man wie beim ersten Examen für sich selbst entscheiden, ob man ein Repetitorium benötigt oder es auf anderen Wegen versucht. Dabei gibt es verschiedene Möglichkeiten, diejenige des Reps mit festen Zeiten für die Disziplin, wenn man diese nicht selbst aufbringt, das Online-Rep, die Lerngruppe oder die klassische Selbstdisziplin. Hier muss wirklich der eigene Weg gefunden werden – nur man selbst kennt sich am besten.

Aus den Erfahrungen, die ich mitbekommen habe, mag das Rep gleich zu Beginn überfordern, sodass man doch schon einige Grundlagen mitbringen sollte, um sich mit der neuen Arbeitsweise bekannt zu machen. Es gibt natürlich Sonderfälle, wie bei mir, die schon zu Beginn deutlich mehr machen mussten. Bei mir lag dies an meinem Auslandsaufenthalt in der Verwaltungsstation, während der ich natürlich weniger lernte und stattdessen das Land erkundete, als wenn ich in Deutschland geblieben wäre.

H. Die nächsten Stationen

In Hessen kann man im Anschluss den Wunsch äußern, ob man zur Staatsanwaltschaft oder einem Strafrichter möchte. Eine Garantie gibt es dabei aber auch wieder nicht. Selbst den Ausbilder auszusuchen, soll nicht mehr möglich sein. Die Verwaltungsstation kann man sich ebenfalls frei aussuchen. Macht man dies nicht, wird man zugewiesen. Meiner Meinung nach sollte man dies vermeiden – auch die Ausbilder wissen, wer zugewiesen wurde und wenn auch die Verwaltungsstation zumindest in meinem Umfeld die unbeliebteste Station war, da ich niemanden kannte, der in die Verwaltung im Anschluss oder gar in das Verwaltungsrecht wollte, kann man hier eine sehr gut Zeit verbringen. Will man ins Ausland, sollte man sich frühzeitig kümmern. Ich kenne aber genug Personen, die dies in Hessen für die Auslandsstation in der Verwaltung in der Strafstation, also zwei bis drei Monate vor Beginn der eigentlichen Station vornahmen. Gleiches gilt für die Anwalts- und Wahlstation. Natürlich erhöht ein frühzeitiges Bewerben die Chancen, sodass ich ein halbes Jahr, bei der Wahlstation im außereuropäischen Ausland sogar acht bis neun Monate Vorlauf empfehle. Tipps für die besten Stationen kann ich dabei leider nicht geben – ich hatte durchweg gute Stationen, habe diese aber auch nach meinen Interessen ausgerichtet. Daher war ich auch zweimal im Ausland uns musste auch wie bereits erwähnt zu Beginn deutlich mehr lernen, als wäre ich die gesamte Verwaltungsstation in Deutschland gewesen.

Aber im Referendariat kann man schon einige Weichen stellen. Wer später zur Staatsanwaltschaft möchte, sollte sicherlich versuchen dies auch in der Ausbildung kennenzulernen, wer zum Landratsamt möchte, sollte dort die Verwaltung absolvieren, wer die Wunschkanzlei hat, sollte versuchen dort erste Erfahrungen zu sammeln. Hier kommt es wie so oft, auf den eigenen Weg an. Den einzigen Tipp, den ich geben kann, ist es im Referendariat zu versuchen möglichst viel mitzunehmen und kennenzulernen.

I. Abschließende Gedanken

Abschließend kann ich nur sagen, dass das Lernen im Referendariat natürlich viel Raum einnimmt, neben den eigentlichen Stationen und einem eventuellen Nebenjob. Dennoch kann man tolle Erfahrungen sammeln und die Zeit auch genießen – und dies sollte man auch nutzen!

 

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