Hei Helsinki!

Zwei Semester im Hohen Norden: Finnland– eine außergewöhnliche Wahl für einen Erasmus- Aufenthalt. Dennoch hat mich dieses Land, welches tatsächlich eher weniger Beachtung findet, wenn es um Urlaub oder Studieren geht, sofort fasziniert. Die Entscheidung, mein Auslandsaufenthalt dort zu verbringen, ist schnell gefallen. Noch nie zuvor hatte es mich so weit in den Norden verschlagen – umso aufregender und spannender waren die Erfahrungen, die ich während der 10 Monate in Helsinki machen konnte. Über die Uni, die Stadt und wieso sich eine Reise nach Finnland definitiv lohnt.

Die Universität

Die Vorbereitungen meiner zwei Auslandssemester gestalteten sich relativ einfach. An der Universität in Helsinki ist alles prima organisiert und man hat immer das Gefühl, gut betreut zu sein. Man merkt, dass die Uni ganz besonders auch auf internationale Studenten ausgerichtet ist. Alles läuft problemlos auf Englisch und gerade am Anfang wird man gut betreut und bekommt seinen eigenen Ansprechpartner. In der Regel sind das finnische Jurastudierende, die einem in den ersten Wochen bei allem erdenklichen Papierkram und anderen organisatorischen Aufgaben zur Seite stehen.

Die Gebäude, in denen die juristischen Vorlesungen und Seminare stattfinden, befinden sich mitten in der Stadt. Vom Wohnheim, in dem die meisten Erasmus- Studenten untergebracht sind, ist das Hauptgebäude bequem zu Fuß erreichbar.

Das Angebot an englischsprachigen Vorlesungen ist wirklich gut – insbesondere gibt es auch Veranstaltungen, die man so auf keinem deutschen Lehrplan finden würde. So habe ich beispielsweise Vorlesungen zum Law of the Sea oder Information Law besucht.

Die Vorlesungen schlossen oft mit Klausuren, aber auch Essays oder Moot Courts konnten die Endnote mitbestimmen. Dabei unterliegt die Bewertung dem finnischen Notensystem, welches von 0 bis 5 reicht (mit 5 als bester Note).

Helsinki – Stadt am Meer

Die Stadt Helsinki hat ihren ganz eigenen Charme und mich von Anfang an überzeugt. Mit rund 600.000 Einwohner ist die finnische Hauptstadt die größte in Finnland und dennoch ist alles sehr übersichtlich und man findet sich sehr gut zurecht. Helsinki steckt voller schöner Ecken, überall gibt es gemütliche Cafés und auch die Shoppingmöglichkeiten sind so gut wie unbegrenzt. Zu meinen liebsten Orten zählte definitiv das Café Regatta direkt am Meer. Angeblich gibt es dort auch die besten Zimtschnecken, korvapuusti, wie der Finne sagt, und ich kann dieses Urteil nur bestätigen. Ein Besuch lohnt sich!

Von Helsinki aus kann man auch tolle Ausflüge in die nähere Umgebung machen. Am besten haben mir die Ausflüge nach Porvoo und die auf die Inseln Soumenlinna und Pihlajasaari gefallen. Vor allem wenn es im Sommer etwas wärmer wird, kann man auf den Inseln eine schöne Zeit an den Stränden verbringen.

Das Wetter

Die meisten Vorurteile ranken sich wohl um das Wetter in Finnland und vor allem die lange Dunkelheit in den Wintermonaten. Mich hat die Aussicht auf eisige dunkle Winter nicht sonderlich abgeschreckt – für mich war das ein Teil der finnischen Erfahrung. Und wofür gibt es schließlich die berühmten finnischen Saunen?

Wie zu erwarten kam es dann auch tatsächlich so und bereits im Dezember befanden sich die Temperaturen weit unter Null. Die kurzen Tage waren für mich auch nicht ganz so schlimm wie erwartet. An den kürzesten Tagen, die ich in Helsinki erlebt habe, war es gegen 10 Uhr vollständig hell und um 16 Uhr wieder dunkel. Da sich die Tage aber Stück für Stück verkürzen viel es einem tatsächlich gar nicht so sehr auf. Mir hat die Dunkelheit nicht viel ausgemacht und von der gefürchteten Winterdepression oder dem Vitamin-D- Mangel fehlte bei mir jede Spur. Im Januar und Februar halten sich die eisigen Temperaturen weiter und auch tagsüber ist es nicht ungewöhnlich, dass sich diese im Zweistelligen Minusbereich bewegen. Ein Vorteil hat das Ganze aber: auf dem Meer spazieren gehen! Für mich eine ganz besondere Erfahrung, und tatsächlich hat es mich am Anfang ziemlich viel Überwindung gekostet, auf das gefrorene Meer zu treten. Das machen aber tatsächlich sehr viele und bietet im Winter oft auch eine willkommene Abkürzung mancher Wege. Im Norden Finnlands werden zugefrorene Seen sogar oft zu Straßen umfunktioniert!

Und sonst so?

Ich fand Finnland als Erasmus- Ziel auch aufgrund seiner geographischen Lage sehr ansprechend. Nicht nur war das finnische Klima eine ganz besondere Erfahrung, auch eignete sich Finnland ganz hervorragend als Ausgangspunkt, um Skandinavien und die baltischen Staaten zu erkunden. Während der zwei Monate reiste ich nach Stockholm, Kopenhagen, Estland und – mein persönliches Highlight- nach Lappland an den Nordpolarkreis, inklusive finnischer Sauna, Nordlichtern, Rentieren und Hundeschlitten-Fahren.

Von Helsinki aus kommt man ganz einfach und oft für wenig Geld in die anderen nordischen Länder (etwa mit der Fähre, aber es gibt auch oft relativ günstige Flüge der nordischen Airlines SAS und Finnair). Aber auch die zahlreichen finnischen Nationalparks sind definitiv einen Besuch wert und laden zum Wandern und Erkunden ein.

Fazit

Egal ob für einen Auslandsaufenthalt oder bloß einem Urlaub, ich kann Finnland jedem nur wärmstens an Herz legen. Das Land und die Hauptstadt haben mein Herz im Sturm erobert und ich werde sicherlich noch einige Male dorthin reisen. Auch wenn man auf den ersten Blick nicht an Finnland als Reiseziel denkt, hat das Land doch einiges zu bieten. Also nichts wie los!

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