Meine ersten 100 Tage bei Schulte Riesenkampff

Meine ersten 100 Tage bei Schulte Riesenkampff sind vorbei. Die ersten 100 Tage in einer neuen Tätigkeit haben seit Präsident Franklin D. Roosevelt eine besondere Bedeutung. Präsident Roosevelt bat um diese Schonfrist von der Presse, damit die Wirkung des New Deal erkennbar wird. Seitdem werden diese berühmten 100 Tage immer wieder als Frist genommen, um erste Erfolge zu begutachten und eine erste Bilanz zu beziehen. Und meine Bilanz fällt äußerst positiv aus.

Hoffnungen und Befürchtungen

Nach meinem Vorstellungsgespräch war für mich direkt klar, ich möchte bei Schulte Riesenkampff anfangen. Auch die Kanzlei kam sehr schnell auf mich zu und so war klar, dass ich im Arbeitsrecht tätig werden würde. Ich hatte zwar bereits Erfahrungen im praktischen juristischen Arbeiten durch meine langjährige Stellung als wissenschaftlicher Mitarbeiter, doch nun stand der erste richtige Schritt als Berufsträger vor der Tür. Viele Fragen, die Hoffnungen und Befürchtungen enthalten, stellen sich einem vor dem Beginn eines solchen Abschnittes: Sind die Partner, Kollegen und das Sekretariat nett? Habe ich spannende Fälle? Darf ich mich selbst auch als Persönlichkeit einbringen? Oder lande ich in der Kollegenhölle, werde von den Partnern nur als Lastesel missbraucht, sehe die Sonne nur noch vom Büro auf- und untergehen und manchmal beides innerhalb weniger Stunden ohne das Büro zu verlassen? Zähle ich nur als Recherche- und Subsummiermaschine, aber werde von den Mandanten soweit wie möglich ferngehalten?

Um es gleich vorwegzunehmen – die Hoffnungen haben sich alle mehr als erfüllt, die Ängste nicht ansatzweise bewahrheitet.

Aller Anfang ist schwer – oder auch nicht?

Der erste Arbeitstag begann mit einer kurzen Begrüßung und Einführung in die Kanzlei. Am Nachmittag war es dann auch gleich soweit – mein erster Prüfungsauftrag musste behandelt werden und der Alltag hatte mich sogleich. Von Anfang an wurde ich wie ein vollwertiger Kollege behandelt und nicht wie der „Neue“ oder der Berufsanfänger ohne Ahnung. Natürlich wurde ich dabei unterstützt mich in der Aktenstruktur zurecht zu finden und hatte am Anfang auch Zeit mich in alles andere einzufinden – schließlich hat jede Kanzlei ihre eigenen Abläufe, die man erstmal kennenlernen muss. Aber mir gefiel es, von Anfang an dabei zu sein und gleich mit in der Verantwortung zu stehen. Dabei bin ich seit dem ersten Tag an von einem tollen Team umgeben, sodass dieser Einstieg auch wunderbar gelang. Bei Fragen bin ich immer auf ein offenes Ohr gestoßen und so unterstützt man sich gegenseitig jeden Tag und bekommt hilfreiche Tipps für die jeweiligen Mandate. Und hier stellt sich sicherlich eine der wichtigsten Fragen:

Die tägliche Arbeit – darf ich mit den Mandanten reden?

Darf man überhaupt mit den Mandanten interagieren? Viele Berufsanfänger kennen die Problematik – den Mandanten kennt man nur vom Hörensagen. Nach außen darf nicht aufgetreten werden, nur der Partner kennt den Mandanten und man selbst sitzt im stillen Kämmerlein. So sieht meine Tätigkeit zum Glück nicht aus – ich darf Mandanten aktiv beraten. Natürlich ist es gerade bei größeren Mandaten so, dass man zum Teil nur vereinzelte Prüfungsfragen vor sich hat, aber schon nach dem ersten Monat war ich bei Telefonaten dabei. Und dies nicht nur als stiller Zuhörer, sondern aktiv beteiligt. Mittlerweile ist es für mich normal, dass ich mit Mandanten am Telefon spreche, dort Fragen beantworte und im Anschluss das weitere Vorgehen mit der jeweiligen Partnerin oder mit Kollegen kurz bespreche. Für mich ist dies ein ganz entscheidender Punkt, weshalb die Entscheidung für Schulte Riesenkampff richtig war. Ich bin gerade nicht der Subsumierautomat, der abstrakte Rechtsgutachten anfertigt, ohne dass ich jemals überhaupt verstehe, um was es in dem Fall geht oder wer die einzelnen handelnden Personen überhaupt sind. Von Tag 1 an wurde mir das große Ganze vermittelt. Abstrakte Rechtsfragen prüfe ich eigentlich nie, sondern nur solche, die am Fall orientiert sind. Fehlt mir an einer Stelle das Hintergrundwissen über Geschehnisse in einzelnen Punkten des Sachverhaltes, wird dieses mir vermittelt, sodass ich immer den vollen Überblick habe. So lerne ich am Mandat und bin ein vollwertiger Teil des Arbeitsrechtsteams.

Der eigene Arbeitsbereich

Eine große Besonderheit ist sicherlich auch, dass man bereits als junger Associate die Chance bekommt, sich seinen eigenen Geschäftsbereich aufzubauen. Anders als in der überwiegenden Anzahl von Kanzleien bekommt man bei Schulte Riesenkampff die Chance eigene Mandate zu akquirieren, eigenständig zu betreuen und sich ein eigenes Profil zuzulegen. Und dies nicht nur auf dem Papier oder in schönen Werbeanzeigen, sondern aktiv gefördert und auch einem die Zeit gegeben, etwas aufzubauen. Ich habe eine besondere Verbindung zu- und Leidenschaft für Irland. U.a. bin ich seit 10 Jahren aktives Mitglied in der Deutsch-Irischen Juristenvereinigung und auch mehrere Jahre im Vorstand. Mindestens einmal im Jahr bin ich auf der grünen Insel und kenne mich in Kultur und Geschichte gut aus. Land und Leute haben es mir angetan und ziehen mich immer wieder nach Irland. Diese Leidenschaft möchte man natürlich auch mit dem Beruf verbinden. Von Anfang an bestand dabei eine große Offenheit der Kanzlei für dieses Thema und so kam kurz nach meinem Einstieg wirklich dazu – der erste Irish Desk einer größeren Kanzlei in Deutschland wurde gegründet. Diesem stehe ich vor und baue ihn selbst auf – bei voller Unterstützung durch die Kanzlei. Für einen Berufsanfänger ist dies natürlich ein großer Vertrauensbeweis, aber diesen habe ich von Anfang an in der Kanzlei gespürt. Ich bin aber nicht der einzige, der diese Unterstützung bekommt. Jeder Associate bekommt die Chance sein Profil zu entwickeln und eigene Geschäftsfelder aufzubauen. In den ersten 100 Tagen hat sich aber für mich schon hier ein toller Meilenstein ergeben. Dies bedeutet aber auch, dass ich aktiv und eigenverantwortlich mit meinen eigenen Mandanten arbeiten und diese eigenständig beraten muss. Aber dies ist es gerade, was die juristische Arbeit ausmacht. Ich bin tatsächlich vollwertiger Anwalt und nicht nur derjenige, der abstrakte Rechtsgutachten schreibt, ohne einen Fall zu kennen. Die Arbeit macht sehr viel Spaß und die gesamte Arbeit in der Kanzlei ist von einer Tiefe und Qualität geprägt, die ich so noch nicht erlebt habe.

Und das Privatleben?

Viele, die diesen Artikel bis hierhin gelesen haben mögen nun denken: „Das ist ja alles schön und gut, aber die Sonne oder Privatleben wird der Autor wohl nur noch aus Erzählungen kennen.“ Weit gefehlt! Natürlich hat man nicht den 9 to 5 Tag, aber diesem hat man in den wenigstens Kanzleien. In der Regel komme ich aber gegen 19 Uhr aus dem Büro, wenn ich morgens um 9 Uhr anfange, inklusive einer Stunde Mittagspause. D.h., ich habe immer noch ein Privatleben und die Wochenenden sind auch nicht mit Arbeit belegt, wie doch häufig in Großkanzleien. Den Satz: „Oh Freitag, nur noch zwei kurze Arbeitstage bis es endlich wieder Montag ist“, habe ich noch nie bei uns gehört und werde ich wohl auch nie hören. Es gibt zwar immer etwas zu tun, aber es wird auch darauf geachtet, dass man die Arbeit ordentlich erledigen kann und auch für andere Dinge im Leben Zeit hat. Dies ist meiner Meinung nach auch extrem wichtig. Anwälte arbeiten mit Menschen und wenn man nicht rausgeht und Kontakt mit anderen Personen und Nichtjuristen hat, leidet nicht nur das Privatleben, sondern auch die Arbeit. Der Mandant hat bestimmte Bedürfnisse, die er oder sie in die juristische Sprache übersetzt haben will. Doch dies geht nur, wenn ich auch dem Mandanten seine Sprache spreche. Bei Schulte Riesenkampff spricht man diese Sprache des Mandanten und kann sie ins juristische übersetzen und dem Mandanten dann wieder begreiflich machen. Gerade das ist in meinen Augen eine der besonderen Leistungen der Kanzlei, die sie von anderen abhebt. Es besteht eine gute Balance zwischen dem juristischen und dem Mensch sein.

Die Bilanz nach 100 Tagen

Nach 100 Tagen bei Schulte Riesenkampff kann ich sagen, ich habe zu 100% die richtige Wahl getroffen. Natürlich ist es auch manchmal anstrengend und der Kopf raucht, insbesondere, da wir in der Kanzlei den extra Schritt gehen, um das Optimale rauszuholen. Aber auch die persönliche Entwicklung kommt nicht zu kurz. Als Associate kann ich von Anfang an mein eigenes Profil entwickeln, Fachartikel veröffentlichen, an eigenen Mandaten arbeiten, mit den Mandanten arbeiten und so mich als Jurist weiterentwickeln. Und anders als es in vielen Großkanzleien immer noch Gang und Gäbe ist, hat man immer noch ein Privatleben und kann sich diesem widmen. Genau wie bei Roosevelt fällt die Bilanz nach den ersten 100 Tagen bei mir absolut positiv aus. Oder, um es mit dem Kampagnensong von Präsident Roosevelt zu sagen: Happy Days.

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