Wohnst Du noch oder lebst Du schon?

Zu klein, zu dunkel, zu teuer – die passende Wohnung zu finden ist manchmal nicht viel einfacher als im Staatsexamen eine Prädikatsnote zu schreiben. Gerade wenn man als Student etwas aufs Geld achten muss, kann die Wohnungssuche manchmal ziemlich frustrierend laufen. Wie gut, dass es da eine Lösung gibt: Studentenwohnheime!  Aber lohnt sich die Bewerbung um einen Wohnheimsplatz wirklich oder sollte man lieber von vornherein auf den privaten Wohnungsmarkt ausweichen?

 

Ich habe im Laufe meines Studiums in drei verschiedenen Studentenwohnheimen (eins davon im Ausland), aber auch in einer privat vermieteten Wohnung gehaust. Daher kann ich inzwischen sagen, dass beide Varianten – wie so vieles im Leben – sowohl Vor- als auch Nachteile haben. Und genau um die soll es in diesem Beitrag gehen.

 

Die Vorteile vom Leben im Studentenwohnheim

Zunächst einmal zu den Vorteilen, die ein Leben im Wohnheim zu bieten hat – denn davon gibt es tatsächlich einige. Allen voran sind da wohl die geringen Kosten zu nennen: Die monatliche Miete ist in Studentenwohnheimen natürlich deutlich günstiger als auf dem normalen Wohnungsmarkt. Hinzu kommt, dass man einen Festpreis zahlt, in dem nicht nur die Warmmiete, sondern auch die (nicht unerheblichen) Strom- und Internetkosten enthalten sind. Dies bietet auch den Vorteil, dass man Strom- und Internetverträge nicht selbst abschließen muss.

Außerdem hat man bei der Wohnheimsverwaltung immer Ansprechpartner, die einem bei allen Problemen rund ums Wohnen weiterhelfen. Meist ist auch ein Hausmeister vor Ort, der bei kleinen Reparaturen und ähnlichem schnell zur Stelle ist.

Darüber hinaus gibt es in den meisten Wohnheimen Waschräume – was ein keinesfalls zu unterschätzender Pluspunkt ist! Waschen und Trocknen muss man zwar auch hier bezahlen, der Preis dafür ist aber geringer als in Waschsalons und man spart sich den lästigen Weg dorthin.

Da Wohnheime natürlich auf das Leben von Studenten ausgerichtet sind, bieten sie meist mehr als nur einen Platz zum Wohnen. So werden zum Beispiel studentische Tutoren gewählt, die in den verschiedensten Bereichen ein offenes Ohr für ihre Mitbewohner haben oder das Wohnheimsleben mitgestalten: Sei es bei allgemeinen Fragen, bei der Instandhaltung des Waschraums oder des Wlans, sei es durch die Hilfe bei der Reparatur Deines Fahrrads oder die Planung von Filmabenden. Auch das Ausleihen von Gegenständen wie Beamern, Bierzeltgarnituren oder Werkzeugkästen ist gegebenenfalls möglich. Und apropos Studentenleben: Für Wohnheimpartys, Sommerfeste oder Heimbars ist natürlich auch regelmäßig gesorgt.

 

Die Nachteile des Wohnheimlebens

Nach diesen positiven Worten kommt hier die Kehrseite: Ausnahmslos perfekt ist das Leben in Studentenwohnheim nämlich leider auch nicht.

Den ersten negativen Aspekt erfährt man schon, bevor man überhaupt einzieht: Die Wartelisten. Da es eigentlich immer deutlich weniger Wohnheimsplätze als Bewerber gibt, muss man meist monatelang, bei besonders beliebten Wohnheimen manchmal sogar Jahre lang auf eine Wohnung warten. Gerade zu Beginn des Studiums ist es daher sehr schwierig, sofort einen der begehrten Plätze zu ergattern, da man im Normalfall der Wohnheimsbewerbung einen Zulassungsbescheid beilegen muss, seine Studienzulassung jedoch erst wenige Monate oder Wochen vor Studienbeginn erhält. Entscheidet man sich am Anfang der Studienzeit für eine „normale“ Wohnung und zieht in Betracht, zu einem späteren Zeitpunkt ins Wohnheim zu wechseln, sollte man früh genug daran denken, eine Bewerbung hierfür abzuschicken – so kann man unter Beachtung der auf der Website des studentischen Wohnens angegebenen Wartezeiten relativ entspannt seinen Umzug planen.

Hat man dann endlich eine Zusage, sollte man sich schnellstens darüber informieren, wie lange man überhaupt im Wohnheim bleiben darf. Die erlaubte Wohnzeit ist nämlich begrenzt – zum Beispiel auf die Dauer eines Bachelor-Studiums, also sechs Semester. Hiervon wird leider auch für Leute mit längerer Regelstudienzeit keine Ausnahme gemacht. Manchmal kann man seine Wohnzeit zwar durch Engagement, wie die Übernahme von Tutorien, verlängern. Dass man diese Möglichkeit wirklich bekommt, ist aber nicht garantiert – darüber sollte man sich also frühzeitig Gedanken machen.

Wenn man schließlich einzieht, stößt man vielleicht gleich auf die nächste Sache: Studentenwohnheime sind nicht unbedingt dafür bekannt, dass man in ihnen die schönsten Wohnungen auf dem Markt findet. Mehr als PVC-Boden (Wenn man Glück hat ein schlichter grauer oder beiger, ich habe allerdings auch schonmal einen grünlich beige-braun karierten Albtraum erwischt) und eine winzige Küchenzeile sind selten drin. Das Highlight auf meiner persönlichen Hitlist der Wohnheimsschrecken war ein Fertig-Nasszellen-Bad in dem Boden, Wände, Toilette, Dusche und Waschbecken komplett aus einem zusammenhängenden Kunststoff-Guss bestanden. Wie viel einem solche Dinge ausmachen, ist natürlich Geschmackssache. Um böse Überraschungen zu vermeiden, sollte man aber am besten vor der verbindlichen Zusage zu einem Platz im Wohnheim einmal dort vorbeigehen und einfach bei den Vormietern oder deren Nachbarn klingeln, um sich einen Eindruck von deren Wohnungen zu verschaffen – Besichtigungstermine oder Fotos von den zu vermietenden Appartements gibt es nämlich normalerweise nicht. Abgesehen davon sollte man sich auch mal anschauen, wann das jeweilige Wohnheim gebaut oder das letzte Mal saniert wurde – je neuer desto besser.

Zu guter Letzt noch einmal der Punkt Studentenleben: Dass im Wohnheim Partys zum Alltag gehören, kann natürlich auch ins Negative umschlagen. Denn wenn man am nächsten Tag eine Klausur schreibt oder arbeiten muss, wird es schnell frustrierend, wenn aus der Nachbarwohnung mal wieder bis in die Nacht hinein Musik dröhnt. Solchen Situationen wird man kaum aus dem Weg gehen können, denn es vergeht im Studentenwohnheim selten eine Woche ohne das irgendjemand feiert. Natürlich ist man davor aber auch in gewöhnlichen Mehrparteienhäusern nicht unbedingt immer sicher.

 

Fazit

Letztendlich ist die Frage, ob man ins Studentenwohnheim ziehen sollte, wohl am besten zu beantworten, indem man sich überlegt, welche der angesprochenen Punkte einem persönlich am wichtigsten sind. Besonders die vergleichsweise geringe Miete spricht wohl für sich. Aber auch die Sicherheit, dass man immer einen Ansprechpartner hat, sich um kaum etwas selbst kümmern muss und auch nicht Gefahr läuft, an einen unseriösen Vermieter zu gelangen, ist nicht zu verachten – gerade, wenn es um die erste eigene Wohnung geht. Wenn man finanziell etwas freier ist und Wert auf eine besonders schöne Wohnung legt oder die Entscheidung, in welche Stadt man fürs Studium zieht, erst kurz vor Studienbeginn trifft, ist man aber möglicherweise auf dem privaten Wohnungsmarkt besser aufgehoben. Wenn weder das eine noch das andere wirklich überzeugt, kann auch eine Mischung optimal sein – ein paar Semester im Wohnheim, ein paar in einer privat vermieteten Wohnung.

Wie auch immer Du Dich entscheidest, ich hoffe meine Erfahrung konnten Dir weiterhelfen und Du findest einen Ort, an dem Du nicht nur wohnen, sondern auch leben kannst!

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