Entspannung und Ausgleich im Referendariat

Das Referendariat ist voller neuer Anforderungen. Insbesondere der Spagat zwischen Stationsarbeit, AG-Terminen, Kanzleijob, Repetitorium und Privatleben kann von Zeit zu Zeit schwerfallen und verlangt uns viel ab.

Aus diesem Grund ist es wichtig, dass man zwischen all den Aufgaben den Überblick nicht verliert und sich regelmäßige Auszeiten gönnt. Denn wie schon mein früherer Chef zu sagen pflegte: „Das Examen ist ein Marathon und kein Sprint“ und wie bei einem Marathon kann nur der erfolgreich sein, der seine Kraft richtig einteilt. Daher im Folgenden ein paar Techniken, die mir persönlich im Referendariat dabei helfen, mich langfristig nicht aus der Ruhe bringen zu lassen.

  • Meditation

In kalifornischen Strafvollzugsanstalten kommen Strafgefangene schon seit den 70er Jahren in den Genuss der beruhigenden Wirkung der Meditation und auch hierzulande ist Meditation inzwischen ein geflügeltes Wort. Die Gelehrten sind sich einig, regelmäßige Meditation hat eine positive Wirkung auf den Geisteszustand und kann bei richtiger Anwendung sogar zu Veränderungen im Gehirn führen. Ich habe bereits im ersten Examen angefangen, mal mehr mal weniger regelmäßig, zu meditieren und auch wenn ich keine Aussagen über die Auswirkungen der Meditation auf den Zustand meines Gehirns machen kann, so merke ich doch, dass ich in Zeiten, in denen ich regelmäßig und bewusst meditiere stressresistenter bin und mich den Anforderungen momentan insbesondere des Referendariats eher gewachsen fühle. Dabei glaube ich, dass die positiven Effekte unabhängig davon eintreten, ob man allein, mit einer App oder in einer Gruppe meditiert. Wie mit vielen Dingen im Leben muss man hier selbst herausfinden, was einem am besten liegt und die größten Effekte gibt. Das Wesentliche ist hier, wie in der Examensvorbereitung, die Regelmäßigkeit, mit der man das ganze betreibt. 

  • Atemtechnik

Nahe verwandt mit der Meditation, aber eben doch nicht ganz das Gleiche, sind Atemtechniken. Der Fokus liegt hier eher auf der Beruhigung, wobei auch hier die Spanne groß ist und es auch Atemtechniken gibt, denen bei regelmäßiger Anwendung eine positive Wirkung auf das Immunsystem nachgesagt wird. Für mich persönlich interessant ist jedoch in erster Linie der beruhigende Effekt einer gut trainierten Atemtechnik. Während des Referendariats und auch zuvor während des Studiums habe ich diese Techniken nie aktiv gebraucht, aber als es dann auf das Examen zuging und die Nervosität stieg, insbesondere unmittelbar vor den einzelnen Klausuren, war ich sehr dankbar dafür eine Technik zu haben, mit der ich mich innerhalb von wenigen Minuten in einen Zustand der (beinahe) vollständigen Entspannung bringen konnte. Aber auch während des Referendariats, wenn die Aufgaben zu viel scheinen, hilft es mir ein paar Mal bewusst tief einzuatmen und die Luft kurz anzuhalten und dann befreit wieder auszuatmen, um wieder einen klaren Kopf zu haben.

  • Sport

Es ist keine neue Erkenntnis, dass Sport gut und gesund ist. Gerade bei Menschen, die wie wir viel sitzen ist es natürlich sinnvoll, den Bewegungsapparat von Zeit zu Zeit in Schwung zu bringen. Nicht nur, dass das vorbeugend gegen die typischen Schreibtischerkrankungen wie Kopf- und Nackenschmerzen hilft, es baut auch Stress ab. Das schwierige ist hier häufig die Zeit dafür zu finden. Wenn man die Wahl hat die freie Zeit für Freunde oder eine Joggingrunde im Park zu nutzen, dann wird die Entscheidung wohl eher auf die sowieso schon vernachlässigten Freunde fallen. Und auch wenn die Alternative ist den Urteilsentwurf doch noch fertig zu schreiben oder noch ein, zwei Seiten von dem Skript zu lesen oder sich einfach aufs Sofa zu legen und nichts zu tun, dann fällt die Entscheidung für Sport häufig schwer. Allerdings sollte man sich hin und wieder die positiven Effekte von Sport vor Augen führen: Ich sitze häufig stundenlang an einem eigentlich kleinen Problem und denke dann im ersten Moment, dass ich unmöglich Sport machen kann, bevor ich dieses Problem gelöst habe. In den Fällen, in denen ich es dann aber schaffe mich vom Schreibtisch zu lösen und eine kleine Runde joggen zu gehen oder ein kleines Workout zu machen, kann ich mich dem Problem danach wieder viel aufmerksamer widmen und in der Regel komme ich dann recht schnell auf die Lösung. Im Ergebnis habe ich also Zeit gespart. Ähnlich verhält es sich bei Freunden, der Idealfall wäre natürlich zusammen eine Runde Sport zu machen, bevor man, zumindest jetzt im Sommer, die Sonne im Park genießt, aber selbst wenn das keine Option ist kann es sinnvoll sein den Stress und die vielleicht damit verbundene schlechte Laune mit etwas Sport abzubauen, bevor man sich zu seinen Freunden begibt. In jedem Fall lohnt es sich jede Woche ein bisschen Zeit für Sport zu reservieren. 

  • Belohnungen

Mein persönlicher Favorit sind die Belohnungen. Es war ein langer Tag, man ist zeitig aufgestanden, hat nochmal den Urteilsentwurf für seinen Richter überarbeitet und eine Probeklausur geschrieben, bevor man ans Gericht geht, um in den Verhandlungen seiner Richterin zu sitzen und wenn danach noch Zeit bleibt, geht man in die Kanzlei oder bereitet die AG oder Lerngruppe vor. Nach so einem vollen Tag und auch nach einem Tag, an dem man nur eines dieser Dinge geschafft hat sollte man sich belohnen. Spätestens jedoch am Ende einer Woche. Die Belohnungen können dabei klein sein: Wenn ich eine schwierige Aufgabe abgeschlossen habe, hole ich mir ein Eis mit extra Sahne in der besten Eisdiele der Stadt oder treffe Freunde auf einen schnellen Kaffee. Egal was es ist, ich belohne mich bewusst und gehe dann motiviert und gestärkt an die nächsten Aufgaben.

  • „Me-Time“

Absolut nicht zu unterschätzen ist die Zeit, die man sich für sich selbst nimmt. Gerade im Referendariat sind wir Anforderungen von vielen Seiten ausgesetzt. Sei es die Richterin, die eine Akte bearbeitet haben möchte, der AG-Leiter, der einen Fall vorbereitet haben will oder die Kanzlei, die noch schnell eine Recherche braucht. Wenn wir ehrlich zu uns selbst sind, macht es vielen von uns Spaß und gibt uns ein gutes Gefühl endlich mit dem Geld zu verdienen, was wir Jahrelang studiert haben, aber das darf uns nicht davon abhalten uns hin und wieder mal Auszeiten zu nehmen, die nur uns gehören. Ich nehme mir diese Zeit jeden Tag in den ersten zwei Stunden des Tages, natürlich gibt es Ausnahmen, aber in der Regel ist das meine heilige Zeit. In der benutze ich kein Handy und keinen Laptop. Ich führe in aller Ruhe mein Morgenritual durch und genieße ein leckeres Frühstück, damit ich gestärkt in den Tag starten kann. Nach diesen zwei Stunden habe ich immer das Gefühl schon soviel geschafft zu haben, dass alles andere im Vergleich dazu recht machbar wirkt.

  • Natur

Zuletzt möchte ich noch die Natur ansprechen. Schon viele große Denker haben es sich zur Gewohnheit gemacht regelmäßige Spaziergänge zu machen, um den Kopf frei zubekommen und was sind wir Juristen, wenn nicht große Denker. Nach einem langen Tag in der Bibliothek oder am heimischen Schreibtisch ist es natürlich verlockend sich einfach aufs Sofa zu setzen und den Rest des Abends zu entspannen, als alternative dazu empfehle ich aber abschließend einen kleinen Spaziergang, die frische Luft und die Bewegung machen den Kopf nach einem langen Tag frei und helfen einem dabei sich zu entspannen.

Selbstanalyse

Das alles sind Erfahrungen und Dinge, die mir persönlich dabei helfen entspannt und motiviert zu bleiben und meinen Fokus nicht zu verlieren. Hier muss jeder für sich das Richtige finden. Nicht nur, dass bei den einzelnen Techniken jeder für sich den richtigen Weg finden muss, es muss auch jeder für sich die richtige Technik finden. Während für den einen Meditation und Atemtechnik super funktionieren, kann ein anderer damit nichts anfangen und powert sich lieber im Fitnessstudio aus, macht am Wochenende lange Wanderungen oder trifft sich mit Freunden im Biergarten. Das Wichtigste ist, dass man sich bewusst macht, dass man einen Ausgleich schaffen muss und das egal wie wichtig und aufregend das Referendariat ist, es nicht das ganze Leben bestimmen sollte.

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.