3 Tipps zur juristischen Hausarbeit

Es sind Semesterferien – Zeit für eine Pause vom Unialltag mit seinen Vorlesungen, Seminaren und Arbeitsgemeinschaften. Doch die Ferien sind auch die Zeit der Hausarbeiten, die für die kleinen und großen Scheine gebraucht werden. Zu Beginn des Semesters landen sie dann auf dem Schreibtisch der KorrektorInnen. Nach meinem ersten Staatsexamen war ich eine Zeit lang eine von ihnen. Ob ihr nun noch mittendrin seid oder bereits im Endspurt – hier sind ein paar unverbindliche Tipps für euch.

1.) Es gibt immer mehr als ein Problem

Schnappt man ein paar Fetzen der üblichen Bibliotheksgespräche auf, entsteht oft ein anderer Eindruck. Immerzu scheint es nur um ein Thema zu gehen, den Erlaubnistatbestandsirrtum, den Weiterfresserschaden, die Drei-Stufen-Lehre.

Dass es nur ein einziges großes Problem gibt, habe ich niemals erlebt. Eine ganz typische Zahl gibt es meiner Meinung nach nicht, gut vorstellbar sind aber zum Beispiel drei größere Problemstellungen und mehrere kleinere oder etwa fünf Probleme, von denen eines etwas mehr gewichtet wird als die anderen.

Ein wichtiger Indikator ist vor allem ein neuer Tat- oder Handlungskomplex in der Arbeit (dies wird öfter übersehen, als man meinen sollte). In einem neuen Handlungskomplex wird sich auch mindestens ein schwerpunktmäßig zu behandelndes Problem finden, sonst gäbe es ihn nicht.

2.) Schwerpunkte richtig setzen

Die Schwerpunktsetzung ist das mit Abstand Wichtigste für die Bewertung. Hier entscheidet sich, ob eine Arbeit mangelhaft ist, weil wichtige Streitstände gar nicht angeführt werden oder ob sich die Arbeit im ausreichenden, befriedigenden oder einem höheren Notenbereich befindet. Die besseren Noten bekommt, wer Wichtiges von Unwichtigem besonders gut unterscheiden kann.

Das heißt, die Probleme müssen nicht nur erkannt und vertretbar (ein Richtig oder Falsch gibt es in der Regel nicht) gelöst, sondern auch untereinander richtig gewichtet werden.

Für dieses schwierige Unterfangen gibt es natürlich kein Rezept, aber immerhin Anhaltspunkte:

So kann zum Beispiel in einer Hausarbeit im Strafrecht für Anfänger davon ausgegangen werden, dass die im Allgemeinen Teil des StGB angesiedelten Problemaspekte wichtiger sind als die im Besonderen Teil zu verortenden. Umgekehrt ist es bei der Hausarbeit für Fortgeschrittene. Zwar müssen AnfängerInnen in der Lage sein, sich auch ganz neue Themen zu erarbeiten und Fortgeschrittene dürfen die Grundlagen nicht vergessen haben. Letztlich geht es aber vor allem darum, das abzuprüfen, was im vorangegangenen Semester gelernt wurde.
Bei der Gewichtung von Streitständen ist entscheidend, zu welchen Ergebnissen die unterschiedlichen Meinungen führen. Dies sollte man unbedingt gedanklich komplett durchexerzieren, ehe drauflos geschrieben wird (im Gegensatz zur unter Zeitdruck zu schreibenden Klausur ist das in der Hausarbeit ja auch problemlos möglich).

Zum Beispiel kann sich ein Meinungsstreit folgendermaßen darstellen:

Es gibt Meinung A, B und C. Diese können zwar zu verschiedenen Lösungen führen, in unserem Fall führen sie aber alle zum gleichen Ergebnis.
(Dies könnte eventuell daran liegen, dass Meinung A besonders strenge Anforderungen an einen Sachverhalt stellt, Meinung B und C dagegen in verschiedenen Graden weniger strenge Anforderungen stellen. Wenn in unserem Fall bereits die Anforderungen der strengen Meinung A erfüllt sind, dann liegen automatisch auch die von Meinung B und C vor.)
In solchen Fällen muss sich für keine Meinung entschieden werden. Weitere Ausführungen sollten auch nicht erfolgen, denn sie bringen uns nicht mehr weiter. Auch wenn es wichtig war, das Problem zu erkennen, ist es sehr wahrscheinlich nicht das größte Problem des Abschnitts/der Hausarbeit. Denn es musste (und sollte) ja gar nicht selbstständig argumentiert werden.

Anders sieht es natürlich aus, wenn Meinung A, B und C verschiedene Ergebnisse nach sich ziehen. Dann kommt es darauf an, zu argumentieren und sich für eine Seite zu entscheiden. Eine richtige oder falsche Lösung gibt es – wie gesagt – nicht, es kommt auf den Weg dorthin an.
Im Anschluss muss natürlich konsequent geblieben werden: Wer eine vollendete Tat annimmt, kann danach keinen Versuch derselben Tat prüfen. Wenn laut Bearbeitervermerk Hilfsgutachten erwünscht sind, muss geprüft werden, ob durch die Entscheidung ein weiteres Problem abgeschnitten wurde. Nur dann ist ein Hilfsgutachten auch erforderlich.
Beispielsweise kann sich herausstellen, dass nach der eigenen Lösung keine versuchte Tat mehr zu prüfen ist. Allerdings stellt sich später eine Frage des Rücktritts inklusive neuem Streitstand mit verschiedenen Ergebnissen. Dann ist ein Hilfsgutachten das Richtige. Wenn sich dagegen kein neues Problem stellt, sollte man es dabei belassen.
Der Mythos, dass Hilfsgutachten weniger gern gesehen werden und man deshalb von Anfang an eine Meinung vertreten sollte, die nicht zu einem solchen führt, ist übrigens nicht wahr. Wenn das Hilfsgutachten tatsächlich angebracht ist, macht es für die Bewertung keinen Unterschied, ob mit diesem oder dem ursprünglichen Gutachten gearbeitet wird.

3.) Gutachtenstil im richtigen Maß

Gerade in den Hausarbeiten für die kleinen Scheine geht es auch darum, zu zeigen, dass dieser Stil beherrscht wird. Zieht man ihn aber gnadenlos durch, frisst er ziemlich viel Platz. Darunter leidet die Schwerpunktsetzung an den wichtigen Stellen, schließlich gibt es ein Zeichenlimit.

Hier gilt es, an manchen – den problemlosen – Stellen eben doch zu kürzen und den Urteilsstil zu benutzen, auch wenn das am Anfang etwas Mut erfordern mag. Wer sich unsicher ist, kann auf den ersten Seiten noch etwas mehr Gutachtenstil verwenden, dann wird beim Lesen gleich klar, dass der Stil auf jeden Fall beherrscht wird. Vor allem vermittelt es aber euch selbst beim Schreiben mehr Sicherheit.

Wichtig ist, keine Logikfehler einzubauen, weil man es mit dem Gutachtenstil vermeintlich besonders genau nimmt. Zum Beispiel lese ich sehr oft Sätze wie: „Es müsste eine Gesundheitsschädigung vorliegen. [Es folgen Definition und Subsumtion]. Folglich hat A den B an der Gesundheit geschädigt.“ Bisher alles richtig. Doch dann kommt plötzlich: „Die Handlung müsste auch kausal für den Erfolg gewesen sein. [Es folgt die conditio-sine-qua-non-Theorie].“ Hier liegt ein Logikfehler vor. Die Prüfung der Kausalität ist doch bereits in der Prüfung der Gesundheitsschädigung enthalten. Wer eben bereits geprüft hat, dass durch einen Hieb ein blauer Fleck entstanden ist, der muss es im Anschluss nicht noch einmal tun.
Im schlimmsten Fall kann so etwas als Fehler angekreidet werden, in jedem Fall ist es reine Platzverschwendung. Und der Platz wird am Ende fast immer knapp, wie die Erfahrung zeigt.

Ich wünsche allen, die noch an einer Hausarbeit sitzen, gutes Durchhaltevermögen und viel Erfolg!

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