Unbeschwerte Reisezeit? – Überblick über Regelungen des Reiserechts

Die sommerliche Ferienzeit ist nun mittlerweile wieder vorüber. Währenddessen verreisten wohl die meisten in irgendeiner Art und Weise innerhalb von Deutschland oder auch in das Ausland. Solche Reisen sind, wenn man nicht gerade mit dem Auto wegfährt, immer mit den üblichen Fortbewegungsmitteln Flugzeug, Bahn und Bus verbunden. So schön die Sommerurlaube auch sind, die An- und Abreise kann oftmals mit viel Ärger verbunden sein. Gründe dafür sind unter anderem Verspätungen, Ausfälle oder verlorenes Gepäck. Welche Rechte bzw. Ansprüche stehen einem in solchen Fällen zu?

Allgemeines

Das Reiserecht ist in großem Umfang von der EU-Gesetzgebung geprägt. So gelten für Bahn-, Bus- und Flugreisen jeweils entsprechende Verordnungen:

  • Fahrgastrechteverordnung für den Eisenbahnverkehr (VO EG 1371/2007)
  • Fluggastrechteverordnung (VO EG 261/2004) und das Montrealer Übereinkommen von 1999
  • Verordnung für Rechte von Fernbusreisenden (VO EU 181/2011)

Doch auch für Pauschalreisen wurde das Reiserecht europaweit durch die Pauschalreiserichtlinie vereinheitlicht, die mittlerweile in den Mitglieds-staaten in der jeweiligen nationalen Umsetzung gilt. In Deutschland findet sich diese in den §§ 651a ff. BGB.

Was ist eine Pauschalreise?

Für eine Pauschalreise bietet § 651a Abs. 2 S. 1 BGB eine Definition:

Eine Pauschalreise ist eine Gesamtheit von mindestens zwei verschiedenen Arten von Reiseleistungen für den Zweck derselben Reise.

Doch was genau kann man darunter verstehen? Reiseleistungen sind hierbei Personenbeförderung, Beherbergung, Fahrzeugverleih und sonstige touristische Leistungen. Diese kann der Anbieter ganz klassisch in einem Katalog oder auf einer Website anbieten.  Bucht man beispielsweise in einem Reisebüro oder auf dessen Website ein solches Paket an Reiseleistungen, wie z.B. Flug, Hotel und Mietwagen, liegt eine Pauschalreise vor. Dasselbe gilt ebenfalls gem. § 651c BGB, wenn man in einem sog. Click-through-Verfahren auf Buchungswebsites beispielsweise zunächst nur einen Flug gebucht hat und dann weitergeleitet wird, um noch weitere Reiseleistungen, wie z.B. einen Mietwagen, im nächsten Schritt zu buchen. Dabei werden von der ersten Website die Kundendaten an das nächste Unternehmen für die zweite Reiseleistung weitergeleitet.

Wie hilft einem Reisenden das Pauschalreiserecht?

Bei Reisemängeln kann der Reisende Abhilfe verlangen, also dass der Veranstalter den Mangel beseitigen muss, den Vertrag kündigen, Minderung oder Schadensersatz verlangen. Wichtig bei der Geltendmachung der Ansprüche ist, dass diese bereits direkt am Urlaubsort angezeigt werden müssen. Reisemängel sind z.B. Baulärm im Hotel, Flugverspätungen oder -umbuchungen und auch verlorenes Gepäck. Kommt es zu Verspätungen oder Gepäckverlusten ohne, dass das Pauschalreiserecht anwendbar ist, gelten unter anderem die folgenden Regelungen.

Welche Rechte gibt es bei verlorenem Gepäck?

Geht bei Bahnreisen der Koffer verloren, so haftet die Bahn nur dafür, wenn dieser Umstand auf ihr Verschulden zurückzuführen ist, da das Gepäck in der Regel immer in der Nähe des Reisenden ist. Ausnahme dafür ist Gepäck, das bei der Bahn aufgegeben wurde. Als Entschädigung gibt es für den Gepäckverlust oder dessen Beschädigung eine Pauschale von maximal 1400 €.

Auch Fernbusse müssen für verlorenes Gepäck haften und können dies in ihren AGB nicht vollends ausschließen. Eine Entschädigung kann hier bis zu 1.200 € betragen.

Bei Flugreisen gilt für verlorenes, beschädigtes oder verspätet ankommendes Gepäck das Montrealer Übereinkommen. Ein Koffer gilt als verloren, wenn er nach 21 Tagen nicht wieder aufgetaucht ist. Sobald man den Verlust bemerkt, sollte man diesen umgehend, jedenfalls innerhalb von 7 Tagen, bei einem entsprechenden Schalter am Flughafen bzw. bei der Airline melden.  Eine Entschädigung beträgt hier maximal 1365 €. Ersetzt werden können hier auch Anschaffungen, die aufgrund des verlorenen Gepäcks getätigt werden mussten wie z.B. neue Zahnbürsten oder sonstiges. Befinden sich wertvolle Gegenstände im Gepäck ist es hilfreich, dies der Airline zu melden, sodass im Schadensfall von der maximalen Entschädigungsgrenze abgewichen werden kann.

Hilfreich in allen diesen Fällen ist es auf jeden Fall, wenn man beim Packen bereits eine Liste mit den Dingen und eventuell sogar inklusive deren Wert angefertigt hat, die sich im Koffer befinden, um beim Verlust den Schaden möglichst gut nachweisen zu können. Um Beschädigungen am Gepäck nachweisen zu können, sollte man vor der Reise und bei Feststellung des Schadens jeweils Bilder davon machen.

Welche Ansprüche hat man bei Verspätungen oder Ausfällen des Fortbewegungsmittels?
Bahnreisen

Die Deutsche Bahn sorgt in Sachen Pünktlichkeit nicht immer für Beliebtheit. So wurde schon zahlreichen Zugreisenden ein Fahrgastrechteformular aufgrund der Zugverspätung oder aufgrund eines Zugausfalls ausgehändigt. Mithilfe dieses Formulars kann man folgende Rechte aus der Fahrgastrechteverordnung im Handumdrehen durchsetzen:

  • Ab einer Verspätung von 60 Minuten werden 25% und ab einer Verspätung von 120 Minuten 50% des Fahrpreises erstattet, sofern dieser Betrag mindestens 4€ beträgt. Außerdem muss die Bahn kostenlose Mahlzeiten und Erfrischungen in angemessenem Verhältnis zur Verspätung anbieten.
  • Wird die Reise aufgrund der Verspätung abgebrochen oder gar nicht erst angetreten, kann man sogar den vollen Fahrtpreis erstattet bekommen.
  • Bei Zugausfällen entfällt eine gegebenenfalls vorhandene Zugbindung und man darf mit der nächstmöglichen Verbindung seine Reise fortsetzen.
Busreisen

Ist man mit Flixbus, BlaBlaBus & Co. unterwegs, ist man im Vergleich zur Deutschen Bahn verhältnismäßig günstig unterwegs. Im Zusammenhang damit gewährt die hierfür anwendbare Verordnung nicht so umfangreiche finanziellen Entschädigungsmöglichkeiten, wie es bei Bahnreisen der Fall ist.

  • Ab einer Verspätung von 30 Minuten oder bei Annullierung der Reise müssen die Reisenden zunächst einmal darüber informiert werden.
  • Ab einer Fahrtlänge von mindestens 250km innerhalb der Mitgliedstaaten und über 120 Minuten Verspätung kann die volle Höhe des Fahrpreises erstattet werden, außer die Verspätung ist auf Stau, Wetter oder eine Panne zurückzuführen. Dies schließt bereits die häufigsten Ursachen für eine Verspätung von Fernbussen aus, sodass dieser Anspruch kaum zum Tragen kommt.

Es lohnt sich aber auch in die einzelnen Passagierrechte der Unternehmen einen Blick hinein zu werfen, da diese auch verschiedene Modifikationen vorgenommen haben. Beim IC Bus entsprechen die Rechte nämlich den oben genannten Fahrgastrechten der Deutschen Bahn und sind somit umfangreicher als in der Fahrgastrechteverordnung für Busreisende festgesetzt.

Flugreisen

Je nach Entfernung des Zielflughafens kann man bei Verspätungen von mindestens drei Stunden, Flugausfällen, Überbuchungen oder verpassten Anschlussflügen 250-600 € Entschädigung bekommen. Dies ist ausgeschlossen, wenn die Ursache ein außergewöhnlicher Umstand wie Treibstoff oder eine Schraube auf dem Rollfeld ist.

Auch wenn ein Anschlussflug außerhalb der EU von einer nicht-europäischen Airline verpasst wird, aber man die gesamte Flugverbindung bei einem europäischen Anbieter gebucht hat, kommt man in den Genuss der finanziellen Entschädigungen der Fluggastrechteverordnung.

Ausblick

Für all diese Rechte, insbesondere für die Fluggastrechte, gibt es mittlerweile zahlreiche Legal-Tech-Anbieter, die einem bei der effektiven Durchsetzung der Rechte helfen sollen. Am bekanntesten sind hierbei flightright oder wirkaufendeinenflug. Für verlorene Koffer gibt es unter anderem koffer-weg oder fairplane. Auch für Bahnentschädigungen gibt es den bahnbuddy.

Auch wenn das Reiserecht viele verschiedene, unangenehme Reiseumstände in irgendeiner Form entschädigt, bleibt am Ende doch zu hoffen, dass man am besten gar nicht auf dieses zurückgreifen braucht und einen möglichst stressfreien Urlaub genießen kann.

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