Summer School on Sustainability in Lecce, Italien

Im Sommer eine Woche lang ein anderes Land kennen lernen und die vorlesungsfreie Zeit mit interessanten Vorlesungen aufwerten? Das geht mit internationalen Summer Schools. Bereits zum zweiten Mal habe ich an einer von ELSA organisierten Summer School teilgenommen und möchte hier davon berichten.

Bereits im Vorjahr hatte ich mich aufgrund der geringen Kosten und wegen des großen Angebotes an unterschiedlichen fachlichen Themen für die Bewerbung zu Summer ELSA Lawschools entschieden.

Mit in diesem Jahr rund 45 unterschiedlichen Summer Schools in vielen verschiedenen europäischen Ländern bieten diese, meiner Meinung nach, ein kaum zu übertreffendes, vielfältiges Angebot. Bei Rechtsgebieten von IT Law über Food Law bis hin zu Migration

Law war sicher für jeden Geschmack etwas dabei. Nachdem ich im letzten Jahr meine Kenntnisse im Corporate Law bei der Summer School on M&A in Bucharest vertieft hatte, wollte ich in diesem Jahr gern etwas exotisches ausprobieren und bewarb mich für drei Rechtsgebiete, die so an keiner Universität in Deutschland gelehrt werden.

Unter anderem für Maritime Law und eine Summer School mit dem klangvollen Namen „law and development for a sustainable future“, für welche ich mich letztlich auch entschied.

Ich kann empfehlen sich für die Höchstgrenze von drei Summer Schools zu bewerben, so kann man sicher gehen einen Platz zu erhalten und sich im Zweifel verschiedene Optionen bezüglich Zeitpunkt und Thema offen halten.

Durchaus sinnvoll ist es aber nicht gewünschte Plätze auch schnell wieder abzusagen, da so die Arbeit der Gruppen vor Ort erleichtert wird und Plätze nicht sinnlos leer bleiben.

Wie von Summer ELSA Law Schools (SELS) gewohnt, beliefen sich die Kosten für die Teilnahme auch in diesem Jahr auf nur rund 400 €. Dies ist gerade im direkten Vergleich mit von Universitäten organisierten Summer Schools ein unschlagbares Angebot. Der Betrag deckt nicht nur das akademische Programm, sondern auch die Unterbringung, sämtliche Mahlzeiten und die Freizeitaktivitäten. 

Die SELS in Lecce in Italien, fand in einem erstklassigen Hotel, etwas außerhalb der Stadt statt. Dies hatte das Organisationskomitee durch Eintreibung von zusätzlichen Spendengeldern ermöglicht und bedeutete für uns Teilnehmer einen ungewohnten Luxus.

Sicher waren wir so zwar etwas abgeschieden, aber die meisten von uns störte das nicht. Nach unserer Anreise am Sonntag, hatten wir von Montag bis Freitag je meist zwei Blöcke Unterrichtseinheiten. Einen am Vormittag und einen am Nachmittag. An den Abenden gab es unterschiedliche Programmpunkte oder Aktivitäten in der Region. Am Samstag folgte dann eine Case Study und die Abschiedsfeier.

Trotz des weit gefassten Titels des Programmes konnte man sich, durch den online verfügbaren Ablaufplan, bereits vorab über die Inhalte der Woche informieren. So war uns Teilnehmern klar, dass es vor allem um staatliche Instrumente zur Eindämmung von Emissionen gehen würde und um den Umgang mit diesen in der Praxis, außerdem sollten wir uns mit Versicherungen gegen Umweltkatastrophen beschäftigen.

Relativ unerwartet gab es einige Änderungen im Programm, die für uns Teilnehmer aber nicht weiter entscheidend waren, alles in allem konnten wir die wichtigsten Thematiken alle behandeln. 

Besondern gefallen hat mir an dieser Summer School die Case Study als Abschluss der Woche. Sie behandelte den realen Fall eines Stahlwerkes in Italien, welches erhöhte Immissionswerte ausstößt und dadurch seit Jahren die Gesundheit der Anwohner und die

Umwelt gefährdet. Trotzdem hat das Werk durch die Bereitstellung von wichtigen Rohstoffen für die italienische Wirtschaft und durch die vielen damit verbundenen Arbeitsplätze eine unverändert große Rolle in Wirtschaft und Politik. Aufgeteilt in Vertreter der Arbeiter,

Umweltschutzaktivisten und Regierung galt es einen Kompromiss für die Zukunft der Region zu erarbeiten. Bereits im Verlauf der Woche lasen wir Unterlagen und feilten an unseren Argumenten. Es war sehr spannend und lustig in den international zusammengewürfelten Teams zu arbeiten und letztlich alle Seiten des Konfliktes kennen zu lernen.

An den Nachmittagen und Abenden standen stets diverse Freizeitaktivitäten auf dem Programm. Zu Beginn der Woche haben wir eine Sightseeingtour durch die Stadt Lecce gemacht. Dort haben wir auch zum ersten Mal einheimische Naschereien und Gelato ausprobieren können. An anderen Tagen besuchten wir die Stadt Castro oder waren für einen Vortrag im Rahmen eines Festivals auf einer Burg. Ständig hielten uns die Organisatoren hierbei mit Verkostungen von örtlichen Speisen oder weiteren Sehenswürdigkeiten auf Trab. Besonders gefallen hat mir ein Ausflug zu einer des größten Höhlen Italiens, welche sich viele Hundert Meter lang von der Steilküste aus in den Berg frisst. 

Höhepunkt der Woche war sicher auch der für SELS typische Galaball am Mittwochabend. Hierfür fuhren wir in ein wunderschönes Restaurant außerhalb der Stadt und genossen ein viele Gänge andauerndes Abendessen in der ganzen Gruppe.

Als der Samstagabend gekommen war, hatten sich alle 21 Teilnehmer sehr gut kennen gelernt und wir konnten es kaum fass schon bald wieder abreisen zu müssen. Das Organisationskomitee hatte ein Boot gemietet und so fuhren wir mehrere Stunden lang an der Küste Süditaliens entlang. Besonders schön war das Schwimmen in eine mehrere Meter tiefe Höhle, dort konnte man wieder stehen, aber kaum noch sehen.  Diese eine Woche hat alle Teilnehmer Italien sehr gut kennen lernen lassen. Wir mussten uns an Planänderungen und Verspätungen gewöhnen, konnten Berge des traditionellen Essens probieren und viele verschiedene Orte besichtigen. Das Organisationskomitee hat sich sehr viel Mühe gegeben und, dass es ihnen eine Herzensangelegenheit war, war deutlich spürbar.

Nichtsdestotrotz gab es sicher noch Kleinigkeiten, die hätten verbessert werden können. Zum Beispiel gab es in der Unterkunft Plastik-Trinkbecher und überdurchschnittlich viele Produkte wurden in Einwegverpackungen angeboten. Das wirkte auf viele Teilnehmer einer Summer School zum Thema Nachhaltigkeit zunächst befremdlich. Es hat uns aber auch ein weiteres Mal aufgezeigt wie unterschiedlich die europäischen Länder sind. Italien hat bisher nur unzureichende Mülltrennung und Recyclingsysteme. Diese realitätsnahen Einblicke und die Möglichkeit andere Kulturen kennen und verstehen zu lernen macht SELS, über die fachlichen Vorträge hinaus, so besonders. 

Für mich war die Summer School in Süditalien eine besondere Erfahrung. Jedem, der bereit ist unkonventionelle Umsetzungen in Kauf zu nehmen, kann ich raten sein Lieblingsthema, das aber zum ersten Mal umgesetzt wird, ungeachtet dessen auszuwählen. Allen anderen empfehle ich bei der Bewerbung auf die Erfahrung der Veranstalter zu achten und gegebenenfalls ausgetreteneren Boden zu betreten. Bei der großen Anzahl an unterschiedlichen Summer Schools ist sicher für jeden etwas dabei.

Ich bin Gastautorin auf dem myjobfair-Blog und freue mich, hier veröffentlichen zu dürfen: Finde diesen und weitere Artikel auch auf meinem Blog.

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