Vorbereitung auf das Examen – Viele Wege führen zum Ziel

Sowohl am Ende des Studiums, als auch am Ende des Referendariats steht es an – das Examen. Jahre der Vorbereitung auf zwei Wochen, in denen ein Teil dieses Wissens, die Anwendung und Methodik abgefragt wird. Zwei Wochen, die von den Prüflingen Höchstleistungen verlangen und das Quäntchen Glück voraussetzen. Ratgeber für die Vorbereitung gibt es viele, der folgende Beitrag gibt dabei meine persönlichen Erfahrungen weiter und mag hoffentlich die eine oder andere hilfreiche Anregung enthalten.

A. Die gefühlte Ausgangslage

Man muss ehrlich sein, schon zu Beginn des Studiums spricht alles und jeder vom Examen. Gerüchte über hohe Durchfallquoten, durchlernte Nächte und Prüfer, die nur nach der Lösungsskizze bewerten. Immer wieder wird man mit angstmachenden Aussagen konfrontiert, wie:

„Wehe, man löst einen Fall nicht, wie es genau von der Lösungsskizze vorgesehen ist, dann sind noch maximal 5 Punkte drin. Wer nicht mindestens 10 Stunden pro Tag in der Bibliothek verbringt, ist auch schon so gut wie durchgefallen. Wer im Examen Erfolg haben will, muss sein Privatleben aufgeben.“

Angeheizt wird dies noch durch einige kommerzielle Repetitoren, die ihren Weg als den einzig wahren bezeichnen, aber auch durch die Universität selbst. Ich erinnere mich noch an die Begrüßungsrede eines Professors im ersten Semester: „Schauen Sie nach links und schauen Sie nach rechts. Die Person neben Ihnen wird es nicht packen. Seien Sie sich bewusst, ein Großteil von Ihnen wird am Ende mit leeren Händen dastehen.“

Es sei gleich gesagt, diese Panikmache spiegelt die Realität nicht wieder.

B. Die tatsächliche Ausgangslage

Ich habe meinen Studenten in den von mir betreuten Arbeitsgemeinschaften immer gesagt, dass wenn man die Gerüchte der Durchfallquoten ernst nehmen würde, am Ende eine Person pro Jahr das Examen schreiben würde und konsequenterweise auch durchfallen müsste. Da dies nicht der Fall ist, lohnt es sich auch einen differenzierenden Blick auf das Examen zu haben. Eines sei auch gesagt: Das Leben hängt nicht nur vom Examen ab. Natürlich macht ein gutes Examen vieles leichter, aber das Leben ist auch nicht vorbei, wenn es nicht zweimal zweistellig ist. Ich persönlich kenne einen Anwalt, der bei einer der bekanntesten Großkanzleien arbeitet mit jeweils ausreichenden Examina. Er hat sich in der Praxis bewiesen und macht dort vielen zweistelligen Kandidaten locker was vor und wurde aus diesem Grund von einer Großkanzlei abgeworben – da spielte am Ende die Examensnote auch keine große Rolle mehr. Für die Kanzlei kam es nur darauf an, ihn nicht mehr auf der Gegenseite zu haben. Natürlich ist dies nicht der Regelfall und das gute Examen beruhigt massiv. Doch welche Wege gibt es, dieses zu erreichen?

C. Das Repetitorium

Der offensichtlichste Weg ist natürlich das Repetitorium.

Kommerzielle Repetitorien und Uni-Rep sind wohl jedem Studenten spätestens ab dem zweiten Semester ein Begriff und aktiv begegnet. Dennoch herrscht Unsicherheit, welche Möglichkeit wahrgenommen werden soll. Eine eindeutige Antwort gibt es hierzu allerdings leider nicht. Es hängt natürlich auch immer mit dem Angebot vor Ort zusammen. Es gibt sehr gute kommerzielle Repetitorien, aber auch sehr gute Uni-Reps. Dabei kommt es natürlich immer darauf an, wen man gerade „erwischt“. Ich habe im Uni-Rep einmal einen Dozenten gehabt, der außerhalb der Lösungsskizze nicht agieren konnte, ein anderes Mal einen, der dauernd auf „was wäre, wenn Fragen eingegangen ist“ und dadurch nie den Fall fertigbekommen hat. Auf der anderen Seite hatte ich an der Uni auch sehr gute Dozenten, die die Fälle und die Darstellung komplett durchdacht hatten und eine große Hilfestellung waren. Das gleiche gilt für kommerzielle Repetitoren. Auch dort habe ich beim Probehören „mittlere Katastrophen“ erlebt oder sehr gute Juristen, die auch didaktisch sehr gut waren. Fachlich können beide, sowohl das kommerzielle, als auch das Uni-Rep, einem nichts anderes beibringen, es geht in erster Linie um den Vermittlungsweg. Hier kommt es darauf an, welcher Lerntyp man ist. Lernt man durchzuhören? Durch das Lesen von Lehrbüchern? Durch eine akademische Herangehensweise? Durch die Besprechung von Fällen? Diese Frage des Lerntyps muss man für sich beantworten und dann schauen, welche Angebote vor Ort vorhanden sind und diese Stärken berücksichtigen.

Die nächste Frage ist der Zeitpunkt. Hier habe ich alles schon erlebt. Einige Studenten sind bereits nach der Zwischenprüfung ins Rep, einige haben einen Crashkurs ein halbes Jahr zuvor gemacht. Beide Zeitpunkte sind meines Erachtens falsch. Nach der Zwischenprüfung ist man im Examensrepetitorium komplett überfordert, während ein halbes Jahr zuvor viel zu knapp ist. Richtig ist meiner Meinung nach ein Zeitpunkt von 1 ½ bis zwei Jahren vor dem Examen. Ein Jahr für das Repetitorium und die restliche Zeit für die Wiederholung. Dann ist man in jedem Fall im richtigen Zeitfenster.

C. Eigeninitative

Natürlich genügt es nicht, sich, wenn auch mehrere Stunden, in verschiedene Veranstaltungen zu setzen und sich „berieseln“ zu lassen. Eigeninitiative ist auch gefordert! Standard ist der Tipp mit den Lerngruppen und dem Schreiben von Klausuren an der Uni und im kommerziellen Rep. Dies empfehle ich selbst auch. Ebenfalls sollte man regelmäßig Fälle aus Übungszeitschriften gliedern, um einfach auch ein Gefühl für die strukturelle Aufarbeitung eines Falles zu bekommen – eine gute Struktur kann richtig Punkte bringen (wie ich es selbst erfahren durfte)!

Meine Erfahrung war es, dass für mich beim Lernen am effektivsten die Lerngruppe zu zweit war. Ein Kumpel und ich trafen uns dreimal die Woche und hatten jeweils zwei Fälle vorbereitet, bei denen der andere nur vorher das Rechtsgebiet kannte. Danach bekam man Zeit den Sachverhalt durchzulesen und musste sofort in die Lösung einsteigen und diese vortragen. Bei falschen Überlegungen unterbricht derjenige, der die Klausur vorbereitet hat, sofort. Dieser Weg ist nicht optimal für jeden, uns beide hat es aber komplett auf Effizienz getrimmt und gelehrt Sachverhalte sehr schnell zu erfassen. Daneben haben wir ein bis zwei Klausuren pro Woche geschrieben. Die übrige Zeit haben wir an unseren Schwächen gearbeitet. Wer nun davon ausgeht, dass ich kein Leben mehr außerhalb der Uni hatte, liegt jedoch falsch. Tatsächlich habe ich es sehr genossen oft mit Freunden und im Sport unterwegs zu sein. Solange das Lernpensum eingehalten wurde, welches zwischen 5 und 7 Stunden pro Tag lag mit freien Sonntagen und der Samstagnachmittag nach der Uniklausur meist frei war, hat dies super gepasst. Nebenbei habe ich auch noch gearbeitet, sodass ich auch effizient vorgehen musste, um für das Examen gerüstet zu sein. Dennoch war mir der Ausgleich sehr wichtig – nur wer sich in seiner Umgebung wohl fühlt, kann auch effizient und erfolgreich arbeiten. Ein Punkt der nicht nur in der Examensvorbereitung, sondern auch gerne im Arbeitsleben übersehen wird.

Jeder muss natürlich seinen eigenen Rhythmus finden. Aber wichtig ist: Fünf Stunden effizientes Lernen ist besser, als 10 Stunden bei denen man nur aus dem Fenster schaut.

D. Wie sieht es im zweiten Examen aus?

Das zweite Examen hat sich persönlich für mich dahingehend unterschieden, dass ich kein Repetitorium mehr besucht habe. Ich habe einfach für mich gemerkt und gewusst, dass die Falllösung mir am meisten weiterhilft. D.h. Klausuren schreiben, zumindest am Gericht und auch gerne mit Klausurenkursen. Lerngruppen helfen natürlich immer noch für die Sicherheit. Allerdings soll dies kein Plädoyer gegen das Repetitorium an sich sein. Vielmehr habe ich selbst gemerkt, dass es mir im ersten Examen gutgetan hat; ich aber für das zweite Examen mehr gezielt einzelne Fragen trainieren muss, da ich mich materiell-rechtlich immer noch gut gefühlt hatte. Auch war mir klar, dass ich mit Repetitorium keine Auszeiten mehr gehabt hätte (ich habe bis zu und nach den Klausuren noch im Repetitorium gearbeitet) und es mehr ein „berieseln“ lassen gewesen wäre, als effizientes und erfolgreiches Lernen. Wer die Sicherheit des Repetitorium braucht, sollte es aber machen.

Wichtig ist hier – den Weg, den man im ersten Examen erfolgreich gegangen ist, sollte man weitergehen. Auch im zweiten Examen soll und darf man sich nicht von sich selbst und anderen verrückt machen lassen. Angst und Panik waren noch nie ein guter Ratgeber.

E. Der abschließende Rat

Die Examenspanik ist bekannt und weit verbreitet – lasst euch davon nicht anstecken! Mit guter, effizienter Vorbereitung hat man immer noch Freizeit und kann ein gutes Examen erreichen. Übt das Klausurenschreiben (der Tipp sollte wirklich von jedem beherzigt werden!) und schaut ansonsten, was euch hilft – wenn der Dozent im Uni- oder kommerziellen Repetitorium euch nicht weiterbringt, sucht andere Wege. Es gibt keinen Grund etwas zu machen, nur weil es „alle machen“. Die Lernmethode muss auf euch passen und am Ende eurem Erfolgt dienen!

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