Soft Skills im Jurastudium – Zeitfresser oder Karrierebooster?

Schlüsselqualifikationen, sogenannte Soft Skills, sind mittlerweile ein fester Bestandteil der geforderten Voraussetzungen in Stellenausschreibungen für eine erfolgreiche Bewerbung. Dadurch sollen vor allem bei Berufseinsteigern praxisorientierte Kompetenzen nachgewiesen werden, die zwar in der fachlichen Ausbildung bzw. im Studium oft zu kurz kommen, im Berufsalltag aber unerlässlich sind. Diese Soft Skills gelten in der heutigen Bewerberwelt als mindestens genauso wichtig wie fachliche Kompetenzen.

Wie kann man Soft Skills erlangen?

Im Deutschen Richtergesetz (§ 5a Abs. 3 S. 1 DRiG) wird vorgeschrieben, dass im Jurastudium praxisrelevante Schlüsselqualifikationen berücksichtigt werden müssen. So werden an allen Universitäten für Jurastudenten Kurse wie beispielsweise Rhetorik, Vertragsgestaltung, Mediation, Verhandlungs- oder Vernehmungslehre und vieles mehr angeboten. In den meisten Bundesländern ist der Erwerb eines Schlüsselqualifikationsscheins sogar Pflicht, um für das Examen zugelassen zu werden. In den anderen Bundesländern werden teilweise an den Universitäten entsprechende Schlüsselqualifikationszertifikate angeboten, die auch ohne eine verpflichtende Teilnahme einen gewissen Anreiz für solche Kurse schaffen sollen.

Neben diesen universitären Workshops bieten Moot Courts, Redewettstreits oder eine Tätigkeit in der studentischen Rechtsberatung eine gute Gelegenheit, gleichzeitig viele verschiedene juristische Soft Skills anzuwenden und durch die Übung zu verbessern. Dies ist ein Vorteil gegenüber den Unikursen, in denen meistens nur eine einzelne Kompetenz gezielt über ein bis zwei Tage hinweg vertieft wird. Weitere wichtige Schlüsselqualifikationen für Juristen sind Sprach- oder Wirtschaftskenntnisse, die zeigen, dass man auch „über den Tellerrand“ des Jurastudiums hinausgeblickt hat.

Warum lohnen sich Soft Skills?

Oft wird im Studium nur das Nötigste an Kursen absolviert, dabei lohnt es sich aber gerade im Bereich der Soft Skills etwas Zeit dafür aufzubringen, um weitere Kurse zu belegen. Im Hinblick auf den späteren Beruf ist es wichtig, nicht nur an der fachlichen Kompetenz zu arbeiten, sondern auch schon im Studium praxisorientierte Fähigkeiten zu erlangen, die als Anwalt z.B. bei der Mandantenakquise oder vor Gericht hilfreich sein können. Bei Bewerbungen kann man sich durch entsprechende Soft Skills von anderen Mitbewerbern abheben oder auch eventuell etwas schlechtere Noten ein wenig ausgleichen.

Auch im Hinblick auf das Referendariat kann es nützlich sein, sich bereits im Studium Schlüsselqualifikationen im Bereich der Kommunikationsfähigkeit angeeignet oder vertieft zu haben, wenn die ersten Aktenvorträge oder ein Plädoyer in der staatsanwaltlichen Sitzungsvertretung anstehen. Doch auch schon in der mündlichen Prüfung des Ersten Staatsexamens werden Soft Skills wie die Ausdrucksfähigkeit mitbewertet.

Durch das Vertiefen von Soft Skills im Studium kann man schon früh auch Schwächen minimieren. Fällt einem zum Beispiel das Vortragen vor mehreren Personen schwer, kann man dies in Rhetorikkursen üben und gezielt weiter daran arbeiten. So sollte einem dies idealerweise bis zum Berufseinstieg etwas leichter fallen.

Wie kann man sich einen Schlüsselqualifikationskurs an der Universitätvorstellen?

Die Kurse, in denen man Schlüsselqualifikationen erlernt, sind in der Regel etwas „softer“ als normale Vorlesungen. Insbesondere Kurse im Bereich der Kommunikationsfähigkeit oder der sozialen Kompetenz sind interaktiver und anschaulicher. Das kann aber natürlich variieren, je nachdem an welcher Universität man ist oder wer der Dozent ist.

An meiner Universität nahm ich unter anderem an einem Seminar über Mandantengespräche teil. Dort wurde beispielsweise zunächst ein bisschen die Theorie erklärt und einem die Struktur beigebracht, sodass man schon einmal einen groben Umriss hatte, was zu einem guten Mandantengespräch gehört. Danach wurde man gezielt einer Person zugeteilt, die man außerhalb des Kurses noch nicht kennen gelernt hatte und sollte mit dieser ein entsprechendes Mandantengespräch in der jeweiligen Rolle (Anwalt oder Mandant) durchführen. So sollte die Kommunikationsfähigkeit, Selbstbewusstsein und natürlich die Kompetenz, wie man erfolgreich ein gutes Mandantengespräch führt, erlernt bzw. vertieft werden. Anschließend erhielt man Feedback und es erfolgte ein Austausch in der Runde, was man für gut oder eher schlecht umgesetzt befand. So erfuhr man gleich, woran man noch weiterarbeiten könnte oder was die Fehler anderer sind, die man selbst auch vermeiden sollte.

Der Besuch solcher Seminare oder Workshops allein genügt aber noch nicht, um die entsprechende Schlüsselqualifikation auch gut zu meistern. Durch solche Veranstaltungen wird zwar ein guter Grundstein gebildet, auf dem man jedoch im Nachgang noch weiter aufbauen muss. Erst durch die kontinuierliche Übung wird ein Soft Skill „verhärtet“ und perfektioniert.

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