Herzblatt – Wenn der Partner auch Jura studiert

Verliebt, verlobt, verheiratet – so kurz nach dem Valentinstag liegt immer noch Liebe in der Luft.

Ganz unromantisch und statistisch bewiesen ist, dass ein Großteil von uns seinen Ehemann bzw. seine Ehefrau im Studium kennen und lieben lernen wird. 

Doch wissen wir ja alle, dass Juristen wie scheue Rehe sind und gerne versteckt in der Bibliothek, von Lehrbüchern umgeben, unter ihresgleichen bleiben.

Gepaart mit dem Arbeitsaufwand, den das Jurastudium mit sich bringt, könnte man sich die Frage stellen: Sind Juristen nur mit dem Gesetz und der Bibliothek liiert oder verbirgt sich hinter dem durchgetakteten Alltag auch etwas Menschliches?

Und man glaubt es kaum, doch Juristen sind auch nur Menschen! Ich würde wetten, dass jeder von euch bestimmt ein Juristen-Pärchen in seinem Umfeld finden könnte. Doch funktioniert das überhaupt – Jurastudium und Beziehung? Und wie ist das dann, wenn der Partner auch Jura studiert?

Zwar berichte ich euch nicht aus persönlicher Erfahrung, doch habe ich mich in das Getümmel gestürzt und mich ein wenig bei Freundinnen und Kommilitoninnen umgehört, die sich dazu bereit erklärt haben, ihre Erfahrungen mit uns zu teilen. Ich bin gespannt, ob ihr euch und eure Beziehung in den Beschreibungen wiederfindet, oder ob ihr das Ganze vielleicht auch in einem völlig anderen Licht seht.

Gibt es überhaupt Vorteile einer rein juristischen Beziehung?

Zuallererst ist das Offensichtliche abzuhandeln: Sei es in der Fachschaft, in Vorlesungen oder in der Bibliothek, die Chance auf den oder die Seelenverwandte(n) zu treffen ist innerhalb desselben Studiengangs natürlich viel einfacher und wahrscheinlicher – Fakt!

Wenn wir dann zurück zum Thema Arbeits- und Zeitaufwand kehren, ist das Stimmungsbild eindeutig: Insofern man in einer Beziehung stecke, sei vom selben Fach zu sein eher vorteilhaft. Der Partner habe auf jeden Fall mehr Verständnis dafür, dass eine lange Lernsession manchmal der Zweisamkeit vorgezogen wird und das gemeinsame, romantische Abendessen auf einen anderen Abend verschoben werden muss. Dennoch schließe das gemeinsame Abende in der Bibliothek nicht aus.

Im Vergleich kennen wir es fast alle: Freunde, die sich mit den Modalitäten des Jurastudiums nicht so gut auskennen, rollen schon das ein oder andere Mal mit den Augen, wenn wir ihnen für BGB AT und Co. absagen müssen.

Das Jurastudium ist nun mal aufwendig, anstrengend und nicht selten überfordernd. Natürlich ist es da von Vorteil, jemanden zu haben, der genau weiß, um was es geht – unabhängig davon, ob man im selben oder in unterschiedlichen Semestern ist. Es sei schön, wenn jemand die Nervenzusammenbrüche und die Verzweiflung nachvollziehen könne, die doch ab und zu mit dem Studium Einzug halten und uns nicht als verrückt oder überdramatisch abstempelt. Vor allem lässt sich hier der Schreckensbegriff „Staatsexamen“ anführen. In keiner anderen Zeit ist die psychische Belastung so hoch wie in der Examensphase. In dieser Zeit einen Partner an der Seite zu haben, der mit dem Begriff und dem Aufruhr um das „StEx“ umgehen kann, sei Gold wert und eben unter Juristen wahrscheinlicher zu finden.

Somit sei (zwar nicht gänzlich jura-spezifisch, aber auch in Bezug auf den vorherigen Punkt), dass sich gegenseitig Motivieren und Aufbauen unfassbar wichtig. Ich sage „nicht jura-spezifisch“, da dieser Punkt, meiner Einschätzung nach, in jeder guten Beziehung zu finden sein sollte. Doch wie ich bereits gesagt habe, führt gesteigerter Aufwand im Studium nicht selten zu gesteigertem Stress und gerade deshalb sollte es auch im Zusammenhang mit dem Jurastudium gesteigerte Beachtung finden.

Positive Aspekte, alles schön und gut – aber was wäre eine Beziehung ohne (überwindbare) Streitpunkte?

Es sei nicht zu vergessen, dass man doch das gleiche studiert und somit im Endeffekt auch ähnliche, oder sogar die gleichen Ziele verfolge. Das muss nicht heißen, dass sich der Konkurrenzkampf in der Beziehung wiederfindet. Doch zumindest die Diskussionen hätten Tendenzen ins Uferlose auszuarten, und in juristischer Manier bis zum bitteren Ende ausgefochten zu werden.

Auch sei die Gefahr groß, dass man dem anderen „Reinreden“ möchte. Es gibt leider kein Geheimrezept, wie man das Jurastudium am besten und am besten mit Bravour durchsteht. Oft muss man das für sich selbst herausfinden, selbst wenn der bessere Teil eine andere Vorstellung davon habe.

Im Endeffekt gilt die Devise: Wo die Liebe hinfällt.

Es gibt keine perfekte und vor allem auch keine stereotypische „Jurabeziehung“. Unabhängig davon ob ihr beide Jura studiert, nur einer (oder möglicherweise keiner von euch), ist doch die Liebe das Ausschlaggebende. Die Liebe kennt keine Hindernisse, keine Bibliothekszeiten und keinen Stress. Manche würden vielleicht sagen, ohne Jura gäbe es mehr entspannte Zeit mit dem Partner. Doch ist es wohl eher davon abhängig, wie man die (wenige) verbleibende Zeit gestaltet und wie man miteinander umgeht.

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