Lerngruppen – als Team durch die Examensvorbereitung

In der Zeit vor dem Examen gibt es zahlreiche verschiedene Möglichkeiten, sich darauf vorzubereiten. Viele besuchen dazu kommerzielle oder universitäre Repetitorien und manche bestreiten diese Zeit komplett im Alleingang. Einige andere wiederum setzen in dieser Phase auf eine Lerngruppe, zum Beispiel anstelle von Repetitorien oder als zusätzliche Art der Vorbereitung nebenbei. Bei einer guten Vorbereitung, Durchführung und ausreichend Motivation aller Teilnehmer kann eine Lerngruppe ein entscheidender Erfolgsfaktor in der Examensvorbereitung sein.

Die Organisation einer Lerngruppe

Idealerweise sollte eine Lerngruppe aus zwei bis vier Personen bestehen, die ungefähr auf demselben Wissensstand und im selben Studienabschnitt sind. Wie oft man sich pro Woche dazu trifft, hängt davon ab, ob man nebenbei noch ein Repetitorium besucht oder nicht, und auch von dem sonstigen Zeitplan der Mitglieder. Man sollte aber schon versuchen, sich möglichst kontinuierlich mindestens einmal pro Woche zu treffen. Die Dauer einer solchen Lerngruppeneinheit kann natürlich variieren, empfehlenswert ist es aber, sich für zwei bis drei Stunden mit einer oder auch mehreren kurzen Pausen dazwischen zu verabreden, um die Konzentrations- und Leistungsfähigkeit aufrecht zu erhalten.

Die Lerngruppe inhaltlich zu gestalten, kann auf unterschiedliche Weisen erfolgen. Bevor man mit der Lerngruppe loslegt, sollte man sich entscheiden, wie genau man die Lerngruppe strukturieren möchte. Zunächst einmal kann man sich gemeinsam den gesamten Stoff erarbeiten und gegenseitig erklären. So kann man eventuell vorhandene Lücken schon besser schließen. Die wahrscheinlich gängigere Variante ist es, gemeinsam Fälle durchzuarbeiten. Dabei kann eine Person einen Fall vorbereiten und dann den anderen präsentieren oder es werden von allen die zu Hause vorbereiteten bzw. erarbeiteten Lösungsvorschläge untereinander ausgetauscht. Den Rahmen der Lerngruppe kann man auch dazu nutzen, sich gegenseitig Definitionen, Schemata oder Probleme abzufragen. Neben diesen möglichen Ausgestaltungen gibt es aber bestimmt noch viele weitere Möglichkeiten.

Bevor man mit der Lerngruppe loslegt, sollte man sich auf jeden Fall entscheiden, wie man vorgeht und möglichst auch schon einen groben Plan mit den Terminen und Themen anfertigen. Die Planung ist dabei ein wichtiger Erfolgsfaktor. So weiß im Voraus schon jeder, wann was auf einen zukommt. Wie für alle Pläne gilt dabei natürlich ebenfalls, dass man auch Pufferzeiten einplanen sollte, falls Treffen mal nicht zustande kommen oder man für bestimmte Themen oder Fälle doch länger braucht als ursprünglich gedacht.

Für den Erfolg der Lerngruppe ist es jedoch besonders wichtig, dass man diszipliniert und motiviert bei der Sache ist. Die Teilnehmer müssen sich darauf verlassen können, dass jeder seinen Part zuverlässig vorbereitet und auch zu den Treffen erscheint. Außerdem sollte es nicht zu „Kaffeekränzchen“ ausarten und zu einer Art Zeitverschwendung werden, wenn man sich zwar vordergründig zum Lernen verabredet, die Zeit tatsächlich dann aber vor allem nur für private Gespräche nutzt. Da dies nur schwer komplett vermeidbar ist, kann es hilfreich sein, in der Hälfte der Zeit eine Pause einzulegen und die privaten Gespräche in diese Zeit zu legen.

Die Vorteile einer Lerngruppe

Durch eine Lerngruppe werden idealerweise verschiedene Arten von Lernkanälen angesprochen. So kann jeder Lerntyp von der gemeinsamen Vorbereitung profitieren. Durch das Vortragen von Lösungen, das Erklären des Stoffes oder Diskussionen wird der auditive und auch der kommunikative Lerntyp angeregt, während das Austauschen von Übersichten oder Skizzen für den visuellen Lerntyp gut sind. Daneben bietet diese Art der Vorbereitung auch eine gute Abwechslung gegenüber den Vorlesungen, da es je nach Ausgestaltung der Lerngruppe interaktiver ist.

Indem man sich verpflichtet, beispielsweise einmal die Woche vorbereitet zu dem Treffen zu erscheinen, wird die Vorbereitung und das Lernen verbindlich für die jeweiligen Teilnehmer. So bietet die Gruppe auch eine Art Kontrollfunktion, ob man sich gut vorbereitet oder bestimmte Themen mittlerweile auch nachgearbeitet hat.  Man erhält auch mehr Ansporn, auf den selben Stand wie die anderen Teilnehmer der Lerngruppe zu kommen, insbesondere in Bereichen, die einem selbst schwerer fallen. Wenn solche Themen durch die anderen Lernpartner auf eine ganz neue Art und Weise erklärt wird, kann es auch sein, dass man dies dann viel leichter versteht.

Die Lerngruppe ist außerdem eine ideale Vorbereitung auf die mündliche Prüfung, da man sich schon darin übt, sein Wissen verständlich auszudrücken und zu erklären.

Durch die Lerngruppe schafft man es im Rahmen der Examensvorbereitung aber auch einfacher, seine sozialen Kontakte zumindest mit diesen Mitstudierenden leichter zu pflegen. Zwar trifft man sich zum Lernen, aber man kann trotzdem in einem gewissen Rahmen Privates untereinander austauschen. Vor allem wenn man komplett ohne ein Repetitorium auf das Examen lernt, kann eine Lerngruppe dazu beitragen, dass man sich nicht ganz alleine in dieser Zeit fühlt. Man kann sich untereinander darüber austauschen, was einem schwer fällt, welche Sorgen man hat oder gemeinsam Erfolgserlebnisse teilen. Man wird durch die Lerngruppe quasi zu „Leidensgenossen“ in der Zeit der Examensvorbereitung.

Meine persönliche Erfahrung

Im Rahmen meiner Examensvorbereitung bildete ich mit zwei Studienfreundinnen eine Lerngruppe und wir trafen uns ein bis zwei Mal pro Woche für circa drei Stunden. Dabei erarbeiteten wir uns gemeinsam den kompletten Pflichtstoff.

Vorab erstellten wir uns eine Liste mit allen Themen, die wir bis zum Examen durchnehmen wollten und teilten auch ein, wer wann wofür zuständig war. Pro Woche waren zwei Teilgebiete und somit auch zwei von uns mit Vorbereiten und Vortragen an der Reihe, die dritte Person war für das leibliche Wohl in der Kuchenpause zuständig. So haben wir uns auch ein bisschen durch die Examensvorbereitung hindurch gebacken, wobei der wöchentliche Kuchen durchaus als Motivation für die Treffen diente.

Dass dabei nicht jeder nur seine Lieblingsteilgebiete für die anderen vorbereitete, sondern manchmal quasi gezwungen war, sich mit eher unbeliebten bzw. bislang aufgeschobenen Themen zu beschäftigen, wurde man durch die Verbindlichkeit dazu motiviert, sich früher damit auseinander zu setzen. Das trug besonders gut dazu bei, Lücken wirklich zu schließen und solche Rechtsgebiete nicht bis kurz vor dem Examen vor sich her zu schieben. Indem wir uns die Inhalte gegenseitig erklärten, bekam man viele neue Denkanstöße und Merkhilfen. Besonders Meinungsstreite oder schwere Fallkonstellationen konnten wir uns durch selbst ausgedachte Beispiele besser vor Augen führen.

Auch wenn für uns alle das Examen noch bevor steht, so hat uns allen unsere Lerngruppe auf dem Weg dahin bisher schon sehr gut geholfen einen soliden Grundstein für eine insgesamt erfolgreiche Examensvorbereitung zu legen.

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