Werkstudent – Lohnfortzahlung im Quarantäne-Fall?

Wir alle fragen uns wie es in Zukunft weitergehen soll. Die einen sorgen sich darum, ob sie ihren Job behalten dürfen, andere hingegen, müssen mit erheblichen finanziellen Einschränkungen rechnen, da sie in Kurzarbeit gehen sollen. Selbst diejenigen, die ihren Job behalten dürfen und normal weiter bezahlt werden, haben Sorgen. Sorgen darum was passiert, wenn sie krank werden und selbst in Quarantäne müssen.

In der Realität ist es nun mal so, dass Werkstudenten zumeist keine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall gewährt wird. Im Allgemeinen wird einem klar gemacht, dass man nur für jene Stunden bezahlt wird, die man tatsächlich auch gearbeitet hat. Ich selbst, habe in 5 Jahren Werkstudententätigkeiten nicht einmal eine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall bekommen.

Doch die Zeiten ändern sich und wir alle haben nun Angst an dem Corona-Virus zu erkranken, deshalb zwei Wochen in Quarantäne zu müssen und dann auf der Arbeit auszufallen.

Das Entgeldfortzahlungsgesetz (EFZG) steht jedoch allen Arbeitnehmern zu. Dies kann man schon der Definition des Arbeitnehmers entnehmen. 

Arbeitnehmer ist, wer aufgrund eines privatrechtlichen Vertrags im Dienste eines anderen zur Leistung weisungsgebundener fremdbestimmter Arbeit in persönlicher Abhängigkeit verpflichtet ist.

Auch Werkstudenten, die zum Beispiel in einer Kanzlei arbeiten, haben einen privatrechtlichen Vertrag nach §611a BGB. Dies gilt genauso für jemanden, der als Werkstudent in einem Restaurant angestellt ist. Gerade in solchen Branchen, erhält man oftmals keine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Hierbei wird die Unwissenheit vieler Studenten schamlos ausgenutzt. Dadurch, dass man Aufgaben einer Firma übernimmt und dabei auch an die Weisungen des Chefs, Teamleiters etc. gebunden ist, passt auch die restliche Definition hierzu.

Somit handelt es sich bei Werkstudenten um ganz normale Arbeitnehmer, auf welche das EFZG Anwendung findet. Auch hier gilt, dass der Anspruch auf Lohnfortzahlung erst beginnt, sobald man mindestens 4 Wochen beim Arbeitgeber angestellt ist.

Natürlich bekommt man keine Lohnfortzahlung für ganze Tage, obwohl man den ganzen Tag krank war. Stattdessen werden einem nur die Stunden bezahlt, die man auch tatsächlich dagewesen wäre. Solltet ihr also 20 Stunden pro Woche arbeiten, bekommt ihr auch für 20 Stunden die Woche Lohnfortzahlung.

Dasselbe gilt auch für Personen mit flexiblen Arbeitszeiten. Ist also nicht klar, wie viele Stunden ihr pro Woche arbeitet, muss der Arbeitgeber den Durchschnitt errechnen.

Der Anspruch auf Lohnfortzahlung bleibt auch erstmal für bis zu 6 Wochen erhalten. Für den Arbeitgeber greift dann § 56 Infektionsschutzgesetz. Dieser besagt, dass dem Arbeitgeber die ausgezahlten Beträge von der zuständigen Behörde erstattet werden.

Fraglich bleibt, wie sich das alles in der Realität tatsächlich durchsetzen lässt.  Zunächst stört es natürlich immer das Arbeitsverhältnis, seinen Arbeitgeber zu verklagen. Das Vertrauensverhältnis wird hierdurch langfristig beschädigt.

Daher ist es zunächst einmal wichtig mit seinem Chef/seiner Chefin ein klärendes Gespräch zu suchen. Argumentiere am besten mit §56 Infektionsschutzgesetz, durch das dein Arbeitgeber deine Lohnfortzahlung wiedererstattet bekommt.

Wir alle sitzen schließlich zusammen auf einem schwankenden Schiff und können das schlimmste nur gemeinsam verhindern.

Doch was ist, wenn die Firma aufgrund behördlicher Anordnung geschlossen wurde und man zwangsweise nach Hause geschickt wird? Zwangsurlaub sozusagen.

Solange der Arbeitnehmer seine Arbeitskraft weiter anbietet, ist der Arbeitgeber auch verpflichtet das Gehalt weiter auszuzahlen. In diesen Fällen lag die Risikosphäre auf Seiten des Arbeitgebers.

Doch auch hier gilt, dass man wahrscheinlich weiterkommt, wenn man mit seinem Arbeitgeber redet statt ihn hemmungslos zu verklagen. Denn nur so kann das Verhältnis zum Arbeitgeber gewahrt werden und man kann auch noch nach der Krise weiter dort arbeiten.

Bevor ihr euch jetzt zu früh freut, euer Arbeitgeber kann jedoch auch verlangen, zunächst einmal Urlaubstage einzusetzen. Das tut weh. Vor allem in Zeiten von „social distancing“ in denen man mit der ganzen freien Zeit nicht so viel anfangen kann.

Was viele jetzt sicherlich wundert: ja auch als Werkstudent hat man einen Anspruch auf bezahlten Urlaub. Ich selbst hatte bereits in einem Arbeitsvertrag die Klausel stehen: „Der Arbeitnehmer erhält keinen Anspruch auf Urlaub.“

Doch trotz Vertragsfreiheit im deutschen Zivilrecht, ist der Anspruch auf gesetzlichen Mindesturlaub vertraglichen Dispositionen entzogen.

Doch was ist mit Studenten die noch Bafög beziehen, aber einen Minijob haben, um damit über die Runden zu kommen?

In vielen Großstädten reicht selbst der Bafög Höchstsatz nicht zum Leben aus. Damit kann man höchstens Miet- und Stromkosten abdecken. Daher kann auch ein Minijob essenziell für den Einzelnen sein.

Vielen wurde einfach gekündigt. Kündigungsfristen wurden nicht eingehalten. Zu sicher ist man sich, dass keiner die 450€ einklagt. Kurzarbeit gibt es hier nicht.

Doch es haben sich inzwischen eine Menge Alternativen aufgetan. Die Supermärkte suchen wie verrückt Leute um die leeren Regale wieder zu befüllen. Auf den Erntefeldern fehlt es an vielen osteuropäischen Hilfskräften, da es lange Zeit unsicher war, ob diese überhaupt nach Deutschland kommen können.

Das sind mit Sicherheit keine Traumjobs für angehende Juristen. Jedoch helfen Sie euch in der schwierigen Phase und ihr könnt einen positiven Beitrag zur Gesellschaft leisten.

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