Sehnenscheidenentzündung Adé – Das E-Examen kommt

Sachsen-Anhalt hat es für seine Referendare bereits eingeführt. Andere Bundesländer wollen folgen. Statt sich handschriftlich 5 Stunden die Finger blutig zu schreiben, sollen die Studierenden einfach tippen dürfen. Das ist für den einen ein Segen, andere reagieren sehr verhalten darauf. Denn es hat Vor- und Nachteile. Daher hatten die Referendare in Sachsen-Anhalt die Wahl, ob sie das Examen lieber tippen oder handschriftlich verfassen möchten.

Erster E-Examensdurchgang in der „light“ Version

Glücklicherweise haben sich einige Studierende bereit erklärt mitzumachen. In diesem Examensdurchgang durften allerdings keine digitalen Hilfsmittel genutzt werden und die geschriebenen Klausuren wurden im Nachgang ausgedruckt und handschriftlich durch die Prüfer korrigiert. Es handelte sich somit in der ersten Runde nur um die „light“ Version eines E-Examens.

Die Anwendung digitaler Hilfsmittel, wie die Nutzung von digitalisierten Gesetzestexten, hätte auch ein anderes Problem mit sich gezogen. Die Prüflinge haben keine Übung darin diese zu verwenden. Bereits während des Studiums beten uns unsere Tutoren vor, wie wichtig es sei, das Gesetz in Papierform dabei zu haben. Durch das Blättern im Gesetz könne man sich viel besser merken, wo die einzelnen Paragrafen zu finden seien, statt sie einfach nur übers Smartphone aufzurufen.

Es wäre unverantwortlich gewesen die Prüflinge so unvorbereitet ins Examen zu schicken und von ihnen zu verlangen die Paragrafen digital am Computer wiederzufinden. Daher war die „light“ Version des E-Examen für alle ein fairer Kompromiss.

Kein Vorteil durch automatische Korrektur der Rechtschreibung

Auch hatten die Prüflinge am PC keinen Vorteil durch die automatische Korrektur der Rechtschreibung. Dieses Tool wurde in dem Schreibprogramm bewusst ausgeschaltet. Die deutsche Sprache sei für den Juristen besonders wichtig und sollte daher auch perfekt beherrscht werden, meinte der Präsident des JPA in Magdeburg dazu.

Die Vorteile sollten aber gerade für die Prüflinge auf der Hand liegen. Zum einen kann man Fehler ausbügeln, indem man Sätze einschiebt oder auch einen Meinungsstreit über ein unwichtiges Thema führen kann, welchen man später wieder löscht, ohne dass es der Prüfer bemerkt.

Auch wird hierdurch die Chancengleichheit gefördert. Am PC geschriebene Examensklausuren anonymisieren dadurch, dass an der Handschrift nicht das Geschlecht des Verfassers erkannt werden kann. 

Langsame und alte Geräte könnten die Prüfungsbedingen verzerren

Doch dort wo das E-Examen neue Gleichheit schafft, entstehen dafür andere Ungleichheiten. Vor allem wenn die PCs nicht von den Prüfungsämtern gestellt werden und jeder sein eigenes Gerät mitbringen müsste. Langsame und alte Geräte verzerren hier die Prüfungsbedingungen. Man kann schließlich nicht von jedem Prüfling erwarten privat das neuste Gerät zu besitzen. Auch heute gibt es noch einige Personen, die ihre Hausarbeiten am PC in der Bibliothek verfassen.

Weiterhin würden Personen, die das 10-Finger-Schreiben beherrschen, bei den E-Examen Klausuren bevorteilt sein. So würde eine Kompetenz in den Vordergrund rücken, die für die angehenden Juristen keine selbstverständliche ist.

Problematisch ist auch die Nutzung von WLAN. Die Prüfungslaptops in Sachsen-Anhalt besaßen keinen Internetzugang. Zu groß ist die Angst vor möglichen Hackerangriffen oder Betrugsversuchen durch die Prüflinge selbst.

Auch wurden Tastenkombinationen entfernt, durch die der PC z.B. ausversehen heruntergefahren werden könnte. So konnten einige technische Probleme bereits im Vorhinein ausgeschlossen werden.

Es gibt es auch rechtliche Bedenken

Doch wie sollte es bei den Juristen auch anders sein, natürlich müssen die rechtlichen Bedenken auch ausführlich abgewägt werden.

Gemäß § 5d Abs. 2 S. 3, Abs. 3 DRiG sind die Prüfungen schriftlich zu erbringen. Hier könnte man direkt die §§ 126, 126a BGB heranziehen, in denen die Schriftform nur durch die elektronische Form ersetzt werden kann, wenn „… der Aussteller der Erklärung dieser seinen Namen hinzufügt und das elektronische Dokument mit einer qualifizierten elektronischen Signatur versieht“.

Eine mögliche Lösung und auch die am einfachsten greifbare wäre, die Examensklausuren auszudrucken und von den Studenten unterschreiben zu lassen. Die Papierberge, die durch das E-Examen vermieden werden könnten, würden so dennoch entstehen. Dies wäre folglich keine besonders nachhaltige Lösung.

Ein weiterer diskutierter Weg ist die analoge Anwendung des §3a Abs.2 S.4 Nr.1 des jeweiligen Landes im VwVfG. Hiernach kann „die Schriftform … auch ersetzt werden durch unmittelbare Abgabe der Erklärung in einem elektronischen Formular, das von der Behörde in einem Eingabegerät oder über öffentlich zugängliche Netze zur Verfügung gestellt wird“.

Es gibt also verschiedene Wege, um das E-Examen bundesweit durchführen zu lassen, ohne von Klagen der Prüflinge überhäuft zu werden.

Viele Wege können zum E-Examen führen

Das Examen soll ja auch auf den Berufsalltag vorbereiten. Welcher Richter oder Anwalt sitzt bei der Arbeit ohne PC und technische Hilfsmittel. Jedoch wäre es für die bundesweite Durchsetzung des E-Examens immanent wichtig, bereits die Probeklausuren an der Universität und in den Repetitorien am PC zu verfassen, um auch diese Arbeitsweise zu genüge üben zu können.

Vor allem wenn für ein voll digitalisiertes Staatsexamen die Arbeitsweise mit elektronischen Gesetzen verlangt wird. Auch den Studenten weiterhin die freie Wahl zwischen E-Examen und dem klassischen schriftlichen Staatsexamen zu lassen, könnte eine Lösung für die Universtäten sein, den großen Kosten, die mit einer Digitalisierung mit sich kämen, zu entgehen.

So wäre es jedem selbst überlassen, sich die nötigen Kompetenzen, die das E-Examen mit sich bringt, beizubringen.

Sachsen-Anhalt hat vorgemacht, dass es möglich ist und andere Bundesländer werden mit Sicherheit noch folgen. Das E-Examen wird irgendwann bundesweit möglich sein. Es ist nur noch eine Frage der Zeit. 

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.